Den Regen stehen gelassen

Die 3. City Nord Open in Hamburg

aus der Rubrik: dr. delay knows



Der Aufreger der ersten Runde: dr. delay macht sich wieder an Schröder ran.

Der Aufreger der ersten Runde: dr. delay macht sich wieder an Schröder ran.

Es grenzte an ein naturwissenschaftliches Wunder und sicherlich hatte auch keiner der über 60 Teilnehmer im Vorfeld daran geglaubt. Aber: es regnete oder schneite diesmal nicht und nach unbestätigten Aussagen von wetteronline.de soll dies auch in den nächsten zehn Jahren so bleiben. Allerdings hatten sich die verheerenden Witterungsbedingungen der ersten beiden City-Nord-Turniere anscheinend bereits derart fest ins Unterbewusstsein jedes einzelnen Teilnehmers gebrannt, dass sämtliche Spieler unnützerweise Tonnen von Regencapes und Gummihosen herumschleppten.

Glücklicherweise blieb aber nichts liegen, was möglicherweise bei Parkbesuchern für falsche Rückschlüsse gesorgt hätte.

Zum eigentlichen: Da zahlreiche Topleute, anders als im Vorjahr, nicht von Discmania zur Teilnahme gezwungen wurden, trat ein sehr ausgeglichenes Hauptfeld an, aus welchem sich allerdings sehr schnell ein Männlein herausschälte. Das nämlich mit dem unaussprechlichen Namen, welches aber dessenungeachtet in der ersten Runde mal eben eine Par 4-Doppel-Mandy-Bahn parkte.

Discmania-Cake

Plumper Versuch des unauffälligen product placements: Discmania-Cake

„Das schockt doch nicht, Niko, sondern frustriert uns Normalos nur. Lass dass gefälligst.“ wollte man ihm noch zurufen, aber er war längst mit dem nächsten Birdie beschäftigt. Bereits Niko´s Minus 9 am Vormittag waren dabei beeindruckend, aber am Nachmittag brauchte er noch mal drei Würfe weniger und nicht einmal dr.delay´s Wortschatz reicht hier aus, um eine solche Leistung treffend beschreiben zu können.

Dem konnten die tapferen Hamburger Verfolger Malte Cohrs (zweiter Platz) und T-Kay Seifert (dritter Platz) trotz mutiger Ansagen in der mittäglichen Vietnamesenesspause einfach nichts entgegen setzen. Niko dominierte das Feld von Anfang an, wahrscheinlich auch, weil er am Vorabend endlich Frau delay kennenlernen durfte und nun vermutlich ganz verliebt ist.

Erwähnenswert in der Open Division noch: Ein toller vierter Platz vom gleichmäßig gut spielenden Frank Brügmann, eine tolle zweite Runde von Ben Böhm und natürlich die sensationell-fantastisch-orgastische erste Runde des bekanntermaßen bescheidenen Unterzeichners.

Delaymobil

Das Delaymobil leistete wieder einmal wertvolle Dienste bei der Turnierorganisation

Die Masters fielen knapp aus und wurden letztlich eiskalt-cool von Sascha „Stacking“ Görtz gewonnen, der noch vor kurzem Weltmeister mit ganz anderen Plastikteilen wurde und im Disc Golf alles andere als ein alter Hase ist. Nunmehr sein dritter Turniersieg in Folge. Lässig und mit dafür eigens hergerichteten Disc Golf-Kinderwagen-Trolley. Der hingegen tatsächlich uralte Hamburger Hase Frank Buchholz konnte sich dann erst im Stechen von einem anderen Hamburger: Norbert Schulze-Nemak absetzen, so dass wenigstens die weiteren Plätze in der Hanseatischen Metropole verblieben. (Nee, nee liebe Bremer – damit seid ihr nicht gemeint.)

Die Grandmasters wurden wieder mal von Michael Voglmeyer gewonnen und konnten vom eigentlich grandmastertauglichen Unterzeichner leider nicht weiter beobachtet werden.

Kommen wir zum Schluss zu den ansehnlichsten Disc Golfern, in diesem Fall: -innen. Trotz dem dr.delay mit der bezaubernden Susanne Schmedtundsoweiter in der ersten Runde mehr als nur belanglos flirtete, holte sich den Titel die mit Heimvorteil und Disc Golf fanatischen LAG ausgestattete Sandra Meyer. Was sollte sie auch anderes machen, damit anschließend nicht der Haussegen schief hängt?

Allee

Weicheierbaumallee in der City Nord

Erwähnenswert vielleicht noch die Aufgabe, die die Stadt Hamburg den findigen Mitgliedern des Disc Golf Club Hamburg aufgegeben hatte. Die mussten nämlich dutzende Platanen mit PVC und Zeugs ummanteln, damit diese Weicheier-Bäume auch ja keinen Kratzer abkriegten. Nun denn. Nach ständigen Auseinandersetzungen mit einigen wenigen, dafür aber leider sehr renitenten, selbst ernannten Hundeflüsterern war dies ein eher geringes Problem auf dem Hamburger Turf. Und wann spielt man schon mal zwischen bepfeilten grinsenden Bäumen hindurch?

Siegerbild

Die Sieger der 3. City Nord Open. In der Mitte mit blauem Shirt der Unaussprechliche

dr.delay in 09/2014

dr. delay fährt Bus

Wie dr. delay einmal mit dem Bus fuhr

Aus der Rubrik: dr. delay knows

Da dr.delay in den letzten Wochen der Elan fehlte, um regelmäßig Plastikscheiben zu werfen oder gar seine Wurfkunst auf Turnieren zu demonstrieren (eine vorübergehende Unlust, hervorgerufen unter anderem durch die Tatsache, dass es so viele nachwachsende BlödbackenInnen gibt, die dr.delay Disc Golf erklären wollen), er jedoch seiner ständig nach Nachschub gierenden Leserschar (sofern ‚Schar’ auch für weniger als 10 Personen gilt), den weiteren Entzug nicht zumuten zu können glaubte, kam dr.delay auf die glänzende Idee, einen Bericht über Lebensereignisse abseits des Disc Golfs Sports zu schreiben (sofern dies überhaupt möglich ist).

Nun gut, der Grund meiner Reise war dennoch frisbeeorientiert, es handelte sich nämlich um ein geheimes Geheimtreffen der heimlich Mächtigen unseres Sports in der Hauptstadt, die unter dem Arbeitstitel „Ist Oval das neue Rund? zusammenkommen wollten. Doch dazu kam es nicht und dass ging so:

Die Deutsche Bahn ist verlässlich, sauber und pünktlich, mit der klitzekleinen Einschränkung,, dass die Temperatur maximal zwischen 12,5 und 21 Grad Celsius schwanken, es nicht zu stark regnen und auch nicht doll winden darf, wie es vor kurzem in Norddeutschland der Fall war, als Christian uns heimsuchte (nicht Plaue; die Red.).

Frohen Mutes und mit vielen neuen Ideen in meiner DiscCarrier Bag, z. B.: „keine G-Strings bei A-Turnieren“ oder „Verkaufsverbot von Ladyline Discs an Martin Kunz“, machte ich mich auf den langen beschwerlichen Weg von HH nach B. Und kam pünktlich bis Neustadt an der Dosse, welches hier sein oder ihr – die Geschlechtsspezifizierung einer ostdeutschen Kleinstadt verhält sich ähnlich schwierig, wie bei den hübschen thailändischen Wesen im Rasputin in der Großen Freiheit, wobei mir letzteres natürlich nur aus dritter Hand zugetragen wurde – ostprignitzisches Schattendasein fristet.drdelay fährt Bus

Der Zug hielt und in den folgenden zweieinhalb Stunden gab es so viele lustige Durchsagen, dass ich mir nun endlich sicher sein konnte, dass Thomas Gottschalks Gagschreiber nach dessen lang ersehntem Weggang bei „Wetten dass?“ endlich eine neue, angemessene Position gefunden hatte. Leider enthielten die Durchsagen wenig Informatives, außer dass es den Deutsche-Bahn-Mitarbeitern bei Gulagstrafe verboten ist, das englische „tie-äytsch“ anders als „ssssss“ auszusprechen. Warum auch? Wir wollen der Welt zeigen, dass wir stolz darauf sind, beim Englisch sprechen ähnlich charmant wie unsere französischen Nachbarn zu klingen. Jetzt sind wir wieder wer!

Anyway, genug der Anglizismen, weiter im Text.

Ich hatte meinerseits bereits eine Abholung im schönen Neustadt an der Dosse durch Frau Delay organisiert, welche ihrerseits wiederum unsere Kinderschar bereits sorgsam im Kohlenkeller untergebracht hatte, damit diese nicht wieder mit ihren schmutzigen Kinderhänden meine wertvolle Playboy-Hefte-Sammlung aus den 60igern begrabbeln könnte. Doch ich musste alles abblasen, wobei mir noch nie bewusst war, dass man „Blasen und Playboy“ in einem Absatz unterbringen kann, und es trotzdem noch FSK 6 ist. Toll.

Der Zug hatte sich dann aber überraschenderweise und ohne eine der putzigen Ansagen in Bewegung gesetzt und rollte – vermutlich mit Autobatteriekraft oder so – gen Berlin. Ich musste umdenken, neu planen, aber Logistik liegt uns Deutschen ja im Blut, wie den bereits erwähnten Franzosen das Cholesterin. Ich meine wegen der ganzen Gänseleberfresserei und dergleichen.

Frau Delay war schon wieder auf dem Heimweg; unsere Kinder wurden übrigens gleich am nächsten Morgen vom Jugendamt befreit, nachdem sich Amy Delay-ny mit einem im Boot-Camp für schwer Erziehbare erlernten Heizungsrohr-Klopfmodus bemerkbar gemacht hatte.

Wenig später rollten wir dann in den sieben- oder so-stöckigen Berliner Hauptbahnhof ein und zum ersten Mal fühlte ich mich wieder an Operation Frequent Wind (der Evakuierung Saigons, die den Vietnamkrieg beendete; die Red.) erinnert, nur dass es keine bösen Kommunisten gab, vor denen man Angst haben musste. Es herrschte Chaos und die Schlangen vor den Info-Schaltern waren so lang wie an den Bierständen Wackens. Was tun?

Mein Problem war, dass ich am selben Tag zwingend wieder in die Nordmetropole zurück musste, da im dortigen Disc Golf Think Tank nun mal ohne mich nix läuft, die Bahn sich aber aufgrund der starken Winde nicht mehr auf die Schienen traute. Da ich stets unter dem Sicherheitslevel notorious reisen muss, nimmt mich auch kein Vier-Sterne-Hotel auf und ich hätte womöglich in einem Backpacker-Hostel übernachten müssen; mein ehemaliger Schüler Magic Greg weigert sich nach meinem schonungslosen Bericht über die Geschehnisse in Nokia immer noch, mir sein Sofa und seine Zahnbürste anzubieten.

Mein Hirn ratterte und selbst mein IQ von knapp über Durchschnitt half hierbei kaum weiter. Da kam mir der rettende Gedanke: Bus! Es gibt doch diese putzigen Hochbusse, die bunt beklebt die BABs bevölkern und zahlenmäßig schon jetzt so stark sind, wie der Fan Club Hoffenheims nie sein wird. Damit musste es mir gelingen, wieder zurück in meine schöne Hansestadt zu gelangen.

Nach einem harten Kampf gelang es mir, eine der letzten S-Bahnen zu besteigen, die noch fahren durften, bevor ein Blackout vom Senat angeordnet wurde, schon um die schwächelnde Geburtenrate Berlins positiv zu beeinflussen.

Vom Westkreuz gelangte ich gegen Sturmböen ankämpfend zum ultraschicken Berliner ZOB und tatsächlich stand dort ein 500 PS-Bolide bereit, um sich durch fiese Seitenwinde Richtung Nordnordwest zurückzukämpfen. Mit Bakschisch ergatterte ich ein Ticket und schon saß ich im Bus.

drdelay fährt Bus2Zwar beschäftigte mich mein 1982 ausgelöstes Bustrauma – ich musste 45 Stunden lang in einem veralteten Greyhound von Houston/Texas in den Big Apple (NYC) fahren – durchaus bis zum Berliner Kreuz, aber die Lektüre des ‚Disc Golfer’ sowie der aktuelle Bildband Holly Finale Finleys hatten mich bald gefesselt.

Die Fahrt verlief meistens schlingernd, nur meine Mitfahrer hinterließen ein explizites Bild des mir vorher nicht bekannten Buslinienpublikums.

Neben mir ein dauermüffelnder, osteuropäischer, sicherlich hart arbeitender Mitbürger, der mir netterweise zeigte, wie man die Bustechnik (gemeint ist die Leselampe; die Red.) bedient, ansonsten aber schnarchfrei schlummerte. Gut, sein ´rüber rutschendes Knie zwang mich, schwerpunktmäßig im Gang zu sitzen, aber sonst war es nett. Wie erwartet wachte Slowomir (so nannte ich ihn liebevoll) an der Hamburger Stadtgrenze auf und aß sich noch einmal richtig satt – mit dem Rest aus der Aldi-Chips-Tüte (Marke Puszta pikant). Dann trank er  aus seiner River Cola-Plastikflasche und ich machte zwei Kreuze in meinem Klischee-Handbuch. An dieser Stelle möchte und muss ich einmal meinem Unmut über den Frevel, Cola in Plastikflaschen anzubieten, Ausdruck verleihen und ankündigen, eine Protestnote an die Bundesregierung zu schicken. Alles nur wegen Trittin sein Pfandhang. Arschkrampe, der.

Vor mir war es wenig spannender: Ein Mittsechziger, der vergessen hatte, seine Jerry Cotton Romane einzupacken und stattdessen auf seinem HTC verzweifelt versuchte, Angry Birds in den Griff zu bekommen. „Herr Merkel (so nannte ich den sympathischen Fastrentner), dass ist nur für eine Doppeldaumenbedienung gedacht. Das können genetisch bedingt nur Teenager, nach 97 geboren. Für uns gibt’s Memory auf´m Ipad.“ Er ignorierte mich aber und schnalzte stattdessen im 30-Sekunden-Rhythmus, nämlich immer wenn er verkackte. Und das war jedes Mal. Ruhe kehrte erst ein, als er aufgab und stattdessen lautlos 45 Minuten lang eine ein-Finger-SMS schrieb.

Neben mir dann der Höhepunkt: Ein Werber. Ich hasse sie – fast alle, außer natürlich meine Freundin Mechthild, die Art Direktorin und hübsch ist (hoffentlich liest das nicht Frau Delay. Von allen Berufsgruppen, die man auf Knopfdruck eliminieren sollte, nimmt die der Werber Platz eins ein. Der Typ war so dämlich, dass es mir nicht einmal gelang, ihm einen Namen zu geben. Er schaffte es, die Hälfte der Fahrt über zu beweisen, dass Worte wie „Shooting“, „Ell-Ey“ und „Chillen“ eben doch keine alltaugstaugliche Kommunikation verwirklichen sondern nur das sinnentleerte Gebrabbel von Ed Hardy-T-Shirt tragenden Furzköpfen darstellt. Zwischendurch sprach er sogar englisch, ich meine: denglisch, denn der Satzanfang „The thing is …“ könnte auch von Gayle Tufts analysiert und ihr Bühnenprogramm aufgenommen werden. Loser.drdelay fährt bus3

Als sich der Werber dann beim Stop sofort ´rausdrängelte und ich darüber meinen berechtigten Unmut bekundete, rief er mir ein überlegenes „Spassti“ zu, woraufhin ich ihm ein „Spassti ist voll 80iger“ entgegnete, was berechtigterweise und dauerhaft für Ruhe sorgte. Ich bin sicher, spät am Abend musste er dann doch ein bisschen in sein Habitat-Kissen weinen.

In Ruhe konnte ich mich dann auch auf meinen Nachhauseweg begeben, denn in Hamburg lief längst alles wieder – wir sind den Wind eben gewohnt.

Das geheime Geheimtreffen fiel übrigens aus, da auch es auch die anderen Teilnehmer nicht in die Hauptstadt schafften. Avery J. soll in immer noch einer lettischen Bierkneipe festsitzen und baltische Biersorten zählen. Süllväng Rouge – oder so ähnlich – ist an Gänseleberpastete erstickt. Nur der Vertreter Japans Fuku Shima wartet wohl noch immer auf eine Besserung der Lage.

Wem in diesem Lebensbericht im Übrigen der Spannungsbogen fehlt, der kann gerne mit meinem Lektor ein Bier trinken gehen, und ab 2014 bietet dr.delay Disc-Golf-Busreisen an.

dr.delay in11/2013

dr. delay das erste Mal im Stroh

Das erste Mal im Stroh

Oder: Was in Löningen alles geschah

Es war das erste Mal und am Ende tat es auch ein wenig weh. Aber ich fange von vorne an:

Nachdem mir Frau delay überraschenderweise das delay-Mobil überlassen hatte, machte ich mich frühmorgens, also zu einer Zeit, die auch den beflissensten Handwerksmeister nicht aus den Feder reissen würde, auf den langen, beschwerlichen Weg in eine gewisse Nord-West-Metropole namens ‚Löningen‘. Selbst mein Navi war sich allerdings nicht ganz sicher, wo dieser putzige kleine Ort, das Schmuckstück des Oldenburgischen Münsterlandes liegen würde und daher gab ich einfach „Richtung Holland“ ein und zählte die Abfahrten.

Ungefähr bei Abfahrt 93, von Hamburch aus waren es kaum zwei Stunden, ließ ich den italienischen Sport-Motor unter 12.000 Umdrehungen sacken und verließ gemächlich die Autobahn, die in dieser Gegend ohnehin ganz überwiegend als Teststrecke für den Golf VIII benutzt wird, schlichtweg, weil es zu wenige BAB-Benutzer in diesem Landstrich gibt, die auch über einen gültigen Führerschein verfügen.

Macht nichts, sagte ich mir, die Sonne scheint und Hartl kommt … nach Löningen, meine ich. Was sollte also schief gehen? Und kaum hatte ich ein- und wieder ausgeatmet, war ich auch schon durch Löningen hindurch. Macht nichts, sagte ich mir erneut, wendete gemäß Fast & Furious III (37te Minute) und entdeckte direkt nach dem U-Turn ein hilfreiches „Zum Discgolf“ Hinweisschild.

Den Boliden sorgsam geparkt, die Turbos summten noch leise vor sich hin, noch einmal darüber sinniert, wie viele MDs ich nun in meine DG-Tasche packen würde, traf ich auch schon die ersten Recken mit dem gleichen Ziel: Die first Löningen Open. Die obligatorischen Huldigungen gelangweilt entgegen nehmend machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Spielfeld, also: das Volk hinter mir gehend, natürlich.

Richtig, was wir fanden war mehr Feld als Kurs, denn stellte man sich in die Mitte des ordentlich getrimmten Ackers konnte man nicht nur 11 der insgesamt 12 Bahnen überblicken, sondern auch alle Spieler – außer natürlich denjenigen, die gerade auf der einzigen Bahn spielten, die nicht einsehbar war. Logisch.

Wesentliche Teile des Kurses - die unheimlichen Kornkreise sind nur von oben sichtbar

Wesentliche Teile des Kurses – die unheimlichen Kornkreise sind nur von oben sichtbar

Klingt langweilig, war es aber ganz im Gegenteil überhaupt nicht, denn TD Wilfried F, der es zum ersten Mal machte, hatte mit Hilfe von Top-Junior Torben C zahlreiche Monster-Strohballen – oder wie auch immer man diese runden Dinger bezeichnet (dr.delay lebte schon immer in richtigen Großstädten; die Red.) – genauso hingestellt, dass ein abwechslungsreicher, schnuckeliger 12-Bahnen-Parcours entstanden war. Unter anderem zwei Inseln, einige Obs, ein reißendes, äh reizendes kleines Flüßchen, das nach dem Turnier um einige Innovas reicher war, und endemische Killer-Brennesseln. Dass reichte, um einen entspannten Turniertag zu erleben.

Nachdem der vor 10 a.m. sowieso nur nörgelnde Verfasser dieser Zeilen beim Warmwerfen erwartungsgemäß dauer-nörgelte, zeigte bereits die erste Runde, was sich hier für ein putziger kleiner Kurs entfaltete. Eine der beiden Inseln war als schräge Doppel-Insel ausgelegt und schon rockte es im Gehäuse, was bremerisch-kanadische Urgestein Dave L auch am Ende des Tages zu einer überzeugenden kurzen Dankesrede veranlassen würde, in der mehr als 12 Mal das Wort geil vorkam, was im kanadischen jedoch ganz einfach „super“ bedeutet.

Die äußeren Bedingen waren mit 9 zu beschreiben, denn während der ersten beiden Runden kam es manchmal zu wechselnden Winden, dafür war das Mittagessen dann eine 10. Die möglicherweise leckeren Würstchen (dr.delay lehnt es seit seinem 12ten Lebensjahr aus sozial-ethischen Gründen ab, genetisch gleichberechtigte Säugetiere zu verspeisen) wurden dabei von dem zurzeit wegen Verstopfungen (oder so) nicht spielfähigen Werner S liebevoll durchgegrillt und von einer  bombastischen Salat-Abteilung flankiert, die von einheimischen Catering-Ladys zur Verfügung gestellt wurden. Wer so kocht, will von dr.delay geheiratet werden, aber die drei Damen lehnten den mormonischen Ehevorschlag des Verfassers dieser Zeilen glattweg ab. Frechheit!

20130608_155814a

Hartl-Foto (Wurf-Aktion nachgestellt)

Das vorerwähnte lukullische Angebot sorgte dann nicht nur für eine schnelle Abfüllung der – leider nur – rund 25 Protagonisten, es sorgte auch dafür, dass uns Hartl gut gelaunt beim Lunch verbal mal so richtig loslegte und ungefähr über zwei, der zweihundert Frauengeschichten seiner aktiven 80 Jahren detailliert berichtete. Hinterher wusste der eine oder andere beisitzende Jüngling nun, warum das „e“ zwischen dem „t“ und dem „l“ fehlt. Die Jugend konnte hier ganz klar noch ´was lernen, gleichwohl die Vorstellung, dass es ein Leben außerhalb DiscGolf gibt, bei dem einen oder anderen für einen plötzlichen Herpes-Ausbruch sorgte.

Zurück zum Spiel: Nachdem in den ersten beiden Runden sozusagen das Stroh vom Ballen getrennt worden war, ging es spannend auf eine dritte und letzte 12er Runde und führte letztlich zu einem spannenden drei-Bahnen-Stechen zwischen Dave L und Torben C, das Zweitgenannter gleich an der ersten Bahn vorentscheiden konnte. Manche vermuteten, dass der Senior nachgab, um Tränen beim Nachwuchs zu vermeiden. Weisheit vor Jugend, so to say.

Junior Torben gewann somit auch die Gesamtwertung vor Dave, der wiederum die Open gewann und seinen zweittalentierten Sohn Junior Jason bescheidene 6 Würfe abnahm. Zweitbester Open-Spieler wurde Manuel B, vor dem drittplatzierten Alexander G, der wiederum – man glaubt es kaum – wurfgleich mit einem gleichermaßen für sein Alter gut aussehenden Fanzine-Schreiber namens John W. (Achtung, Name geändert; die Red.) abschloss.

Die Grandmasters-Wertung schließlich gewann Dirk P und die Masters-Wertung der vorerwähnte Oberbayer.

Was bleibt sind die Damen? Und genau diese Frage könnte als Festsstellung auch die Antwort auf einen Atomkrieg sein, denn das schwache Geschlecht sind doch wir – jetzt mal ehrlich gesagt! Daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn wir im Muscle-Shirt vielleicht noch ein wenig besser ´rüberkommen – manche jedenfalls. Neben Kakerlaken werden eines fernen Tages eben nur die Frauen überleben. Den männlichen Rest wird es elendig dahin raffen, da bin ich ganz sicher.

Gruppen-Foto (zweite von rechts: Dana Jung -die anderen sind mir egal)

Gruppen-Foto (zweite von rechts: Dana Jung -die anderen sind mir egal)

Und Stärkste unter den Starken war wieder einmal die bezaubernde Dana J, die endlich zugeben sollte, dass sie die zahlreichen Liebesbriefe von dr.delay eben doch nicht unberührt zurück gelassen haben. Vielmehr bewahrt sie die in ihrem rosa Zimmer unter ihrem Bett auf. Auch da bin ich ganz sicher.

Am Ende dieses herrlichen Frühsommertages, fern vom Großstadtterror und Kleinstadtfrust, fand dann ein kleines, aber feines Turnier seinen Abschluss und am Ende tat der leichte Sonnenbrand im Nackenbereich auch ein klein wenig weh. Aber in Gedanken ließ sich der Unterzeichner 200 km lang, auf dem langen, weiten Weg zurück in die Basis, von Dana eincremen – und alles wurde gut …

dr.delay im Juni 2013


 

dr. delay deep in the Rain

Ein von Discmania gesponsorter Bericht über die City Nord Open am 25.05.2013

Er fing um 9:25 Uhr an und hörte um 18:40 Uhr auf. Und schon wetteronline.de hatte selbigen am Vortage nachhaltig und sogar farblich untermalt angedroht, sogar ein Upgrade von zwei auf drei Tropfen für den Nachmittag angeboten. Die gebeutelten, tapferen Recken (und Reckinnen) nahmen an und das Elend nahm seinen Lauf.

Ja, liebe Leserschar, es ist so wie es ist: So richtig hat es nach vielen nassen Stunden keinem mehr Spaß gemacht, alle wollten fertig werden. Ein wenig wie mit der Mutti zu Hause. Da müht man sich Viertelstunde um Viertelstunde ab und am Ende ist die Holde längst eingeschlafen – aber das darf auch nur hier und nicht etwa in anderen DiscGolf-Medien verbreitet werden.

Simon im Schacht

Slim Sim im Schacht

Der Dauerregen vergangenen Samstag war einfach Scheiße und in meinem 2017 erscheinenden Buch: „Das große Lexikon des Regens“ könnte bei Bedarf nachgelesen werden, dass mindestens vier verschiedene Regenarten durch den Tag lang angeboten wurden: Hamburger Nieselregen, Holsteinischer Landregen, Nebenpommerscher Fiesregen und Ätzpladder.

Umso beeindruckender waren die Ergebnisse der fast 90 Spieler, die immerhin aus drei Ländern kamen (D, FIN und natürlich uns aller „Ave“ aus den USA), dem Nass von oben tapfer trotzten und zahlreiche Unter-Par-Leistungen erzielten. Allen voran natürlich Slim Simon Lizotte, der freilich durch seine Windschnittigkeit auch generell wenig Regentropfen die Chance gab, ihn überhaupt zu treffen. Tandoori Chicken Simon, wie er von keinem seiner Freunde sonst genannt wird, konnte sogar im Keller eines anliegenden Stundenhotels stehen und noch so tun, als würde er blöde grinsen. In Wirklichkeit konzentrierte er sich und parkte die Scheibe selbst aus dieser Kackposition. So geht Überlegenheit – sensationell !

Überraschend stark dann der aufdringlich sympathische Michael Rollnik, der sich letztlich nur um einen popeligen Wurf geschlagen geben musste, sich nun aber Weltmeisterbesieger auf den Wurfarm tätowieren lassen will. (Rolli, warum hast Du immer noch gute Laune gehabt, obwohl Du um einen Matschwurf gegen Simon verloren hast? Was ist Dein Geheimnis? Johanneskraut?)

Ave war es einfach zu kalt und zudem lag seine Regenjacke in Greg´s Auto, der ihm wahrheitswidrig versprochen hatte: It never rains in Southern City Nord. So gemein –gleichwohl hat jeder Disc Golfer selbst schuld, wenn er Avery Jenkins nicht wenigstens mal zuschaut oder an seinen Clinics teilnimmt.

Auf den Plätzen dann Nico Unaussprechlich und Markus Koch, über die der Unterzeichner wenig Gutes berichten kann, aber eben auch nichts Schlechtes – im Platzregen wurde einfach nicht mehr viel gesprochen. Aber ich glaube, dass es sich bei beiden nicht nur um gut aussehende sondern auch um nette und vor allen Dingen talentierte Spieler handelt.

Bei den Masters ging es dann ähnlich knapp daher und einmal mehr blieb dem langjährigen dr.delay-Vertrauten O. Schacht der verdiente Sieg vergönnt. Er musste ihn Olli Möllemann, der nach unbestimmten Gerüchten tatsächlich Oliver heißen soll, überlassen, der aber auch ganz ok ist. Überhaupt finde ich fast alle nett – außer einem gewissen Spieler aus Holland, der immer doofe Facebook-Posts über dr.delay anbietet und alle DiscGolf-Regeln auswendig kann, weil er angeblich sonst nichts zu tun hat. Ich sach nich wer es is, aber wer es als erster errät, bekommt meine gebrauchten Holzschuhe und verwelkten Stoff-Tulpen.

Die Grandmaster Division wurde von dr.delay´s Zwillingsbruder Peter R. Müller dominiert; das R steht übrigens für Rock´n Roll.

Die Junioren waren auch da, da aber keiner von diesen Bagaluten dr.delay ordentlich die Hand gegeben und Guten Tag gesagt hat, wird nur erwähnt, dass Torben Casser vor Carl Rose und Keanu Reeves-Buck gewann, wobei der letzte Namenswitz bestimmt voll uralt ist, oder?

Kommen wir zu den Girls, auch Damen genannt: Spannender ging es nicht, denn Karena Witt gewann erst an der zweiten Bahn im Stechen vor Dana Jung, welches wetterbedingt als CTP gespielt wurde. Es war ein harte Entscheidung für die Amazonen, aber der namentlich nicht zu nennende Assistent des TD entschied sich für diese spieldauerfreundliche Variante und das durfte er auch. Bezeichnend, dass wieder keine der Damen dem Charme dr.delays erlag, was bei zukünftigen Turnieren noch genauer zu untersuchen sein wird.

20130525_183158

And the winners are: – wet!

Und wie spielte nun dr.delay? Jedenfalls nicht zu Ende und belassen wir es bei der offiziellen Version, die da lautet: Verletzung – schon um zu vermeiden, dass der Unterzeichner dieser informativen Zeilen noch mal so richtig schlechte Laune bekommt und Frau und Kind verkloppt.

Zu erwähnen ist noch, dass die Organisation nahe an der Perfektion war, dass http://www.die-waescherei.de/ uns nicht nur netter Weise noch fehlende Körbe gesponsort hatte sondern auch ein prima Mittagessen anbot. In Funktionskleidung saßen mehr als 80 DiscGolfer auf der überdachten Terrasse auf Designer-Gartenmöbeln. Lässig! (Wobei ich es erstaunlich finde, wie viele Nichtfunktionskleidungsträger dann doch noch mitgespielt und sogar durchgehalten haben.)

Fazit. Irgendwie ist es bei uns in HH an DiscGolf-Turniertagen wettermäßig immer ungelungen, aber wir geben die Hoffnung für die Zukunft nicht auf und mehr Spannung war eigentlich nicht möglich. Nur schade, dass dies keiner so richtig mitbekam. Ihr müsst also wiederkommen …

dr.delay
Hamburg, mai 2013

dr. delay auf youtube erleben: http://www.youtube.com/user/DiscGolfClubHamburg