dr.delay knows…

Nachdem er sich in jüngster Zeit bei mehreren Gelegenheiten bereits an einem sportlichen Comeback versucht hat, dabei an frühere Leistungen anknüpfen konnte und folglich nicht besonders aufgefallen ist, tritt nun ein, was viele erwartet und noch mehr befürchtet haben: dr. delay, in den 80er Jahren bekannt geworden als der Erfinder des kompromisslos subjektiven Turnierberichts, haut wieder in die Tastatur und lässt die Disc-Golf-Gemeinde Dinge wissen, nach denen diese nie zu fragen gewagt hätte.

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dr.delay sah:

The Invisible String

von

Jan Bäss

The Invisible String, die abendfüllende Frisbee-Dokumentation, ist jetzt auch für das Heimkino, sprich auf DVD, erhältlich. Grund genug für dr.delay, das weltumspannende Ereignis filmkritisch zu begleiten. Über Bezugsquellen möge sich der geneigte Leser selbst informieren, da die Verhandlungen, die dr.delay mit amazon und dem Discmania-Shop über eTISine signifikante Beteiligung an den Verkaufs-Erlösen geführt hat, an der Uneinsichtigkeit der genannten Unternehmen bezüglich der extrem umsatzfördernden  Wirkung einer dr.delay-Filmkritik gescheitert sind.

Zunächst einmal möchte dr.delay, der weit über die Grenzen Hamburg-Othmarschens hinaus bekannte Film-Experte, voranstellen, dass es sich im Folgenden um ein must-see-movie handelt. Allerdings nur aus der Sicht eines Plastikscheiben-Enthusiasten, aber genau mit dieser Schwäche, der ansonsten durchaus unterhaltsamen und anschaulichen Frisbee-Dokumentation, soll sich im Folgenden ein wenig auseinandergesetzt werden.

Was bekommen wir zu sehen?

Eine ordentlich aufgearbeitete Chronologie der Geschichte des Frisbees, mit einem Schwerpunkt auf Freestyle und vielen Interviews mit fast allen (noch lebenden) Legenden. Fundstücke aus dem interessanten Teil der Mottenkiste – besonders natürlich hervorzuheben die Bilder der legendären Rose Bowl Veranstaltung von 1981 (wenn mich bzw. Herrn Google nicht alles täuscht). Technisch saubere, unterhaltsame 92 Minuten, mit originellen Animationen.

Was bekommen wir nicht zu sehen?

Zuerst einmal fehlt eine klare Struktur oder zumindest ein durchgängiger roter Faden – bitte nicht die dröge Geschichte über den sympathischen, jedoch eher farblosen japanischen Scheibenkollegen anführen.

Es fehlt aber auch der Spirit, der uns alle mit dem runden Plastik verbindet. Zwar blitzt der erwartete Enthusiasmus bei den Interviewten auf, aber das allein dürfte dem ordinären Frisbee-Werfer nicht reichen. Würde ein Film über Rock´n Roll begeistern, in welchem die Geschichte überwiegend von gealterten Helden erzählt wird? Nee, wir wollen auch ein bisschen zeitgenössische Action.

Die meisten hätten sich zudem auch eine bessere Gewichtung der tatsächlichen Frisbee-Verhältnisse gewünscht. Der aus ideellen Gründen Mannschaftssport ablehnende Verfasser dieser Zeilen findet es toll und anerkennenswert, dass Ultimate die drittgrößte Uni-Sportart in unseren Gefilden ist und im amerikanischen Sprachgebrauch so normal wie Disc Golf erscheint. Mehr Ultimate und mehr Disc Golf wäre nicht nur fair, es wäre auch angemessen gewesen.

Stattdessen bleibt Freestyle des Coolen Krönung. Aber nicht nur die Zeiten, in denen dr.delay seine Bikini-Figur dieser oft hoch-athletischen Disziplin widmete sind vorbei, auch die glitzernden Shows, die bis weit in die 80iger hinein stattfanden, sind ein Relikt der Vergangenheit – auch wenn es rund 50 Recken hierzulande gibt, die sich sogar zum Zwecke der Austragung einer DM treffen. Freestyle ist und bleibt eine lässige Randerscheinung. Da reißt auch der mittlerweile etwas stämmig gewordene Jens Valesquez nix mehr ´raus.

Und auch die Animationen hinterlässt zumindest beim geübten Cineasten einen etwas faden Beigeschmack, Sie erinnert einfach viel zu sehr an die legendären Terry Gilliam´schen Monty Python Trickfilmchen.

Letztlich schockt die Musik nicht gerade, wobei dies einfach das typische Problem eines Independent-Filmes ist, bei welchen das Geld für teure Musikrechte fehlt. Insofern bleibt dieser Punkt bewertungshalber unberücksichtigt.

Zusammengefasst: Der Spirit erscheint, aber fadet unbemerkt ungefähr in Minute 58 wieder aus und taucht auch nicht wieder auf. Eine klare Linie, eben der Invisible String, hätte durch den Film führen müssen. Zudem hätte Ultimate (heute) mehr Raum verdient, ebenso wie die wachsende Randsportart Disc Golf; dr.delay steht bereit, sich auf Grund dieser Äußerung seiner erwarteten Einladung als Chefberichterstatter der nächsten Ultimate-DM zu stellen, Groupies inklusive.

Was hätte „TIS“ werden sollen?

Eine Doku, die sich auch die Langweiligen anschauen, d. h. die, die eben nicht mit Plastik hin und her werfen, wie z. B. Frau Delay. So verpufft das gut recherchierte Material und wird sehr wahrscheinlich nie außerhalb der Szene zu sehen sein. Das ist schade.

Auch Fanzines sind prima und erfüllen ihren Zweck. Aber wollte Jan nicht mehr?

Warum trotzdem ein Muss?

Jeder, der regelmäßig das unsichtbare Band spannt, wird auf seine Kosten kommen. Der Film ist unterhaltsam, sehenswert – einfach: gut, aber eben nur aus der vereinfachten Sicht des Homo Frisbeesapiens. Dass reicht den Lesern hier und dem simpel gestrickten dr.delay, aber eben nicht den Spiegel-, Brigitte- und TAZ-Lesern.

Kauft also die DVD, so wie es dr.delay auch tun wird, schon der Bilder wegen und des Herzblutes, das geflossen ist. Schon um die Frisbee-Filmemacher Jan Bäss, Michael Osterhoff und vor allen Dingen Gregor Marter, die für das Buch verantwortlich zeichnen, auf diesem Weg zu supporten. Hier geht es auch um Solidarität unter uns Plastikwerfern.

Alle anderen werden leider nur schwer zu begeistern sein. dr.delay gibt daher nur 3/5 Sterne – für Fans gibt’s einen halben Stern mehr.

Hamburg, 07/2013

 

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Von Bahn 18 sieht man Aldi …

Der 3. Luna Cup in Potsdam und einige Anmerkungen zur Disc Golf Kleiderordnung

Es trug sich zu, dass dr.delay, ein international anerkannter und geächteter Schönwetterspieler, endlich sein Winterquartier verlassen wollte. Und was bot sich besser an, als anlässlich der Teilnahme am ausverkauften 3. Luna Cup den ihm lieb gewonnenen Potsdamer Kurs zu bespielen?

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Der Meister himself zeigt wie’s geht (Flugsimulation zur Discstimulation)

Als der Tag der Entscheidungen gekommen war,  fanden sich geradezu ideale  Voraussetzungen für eine weitere beeindruckende Demonstration seines sportlichen Könnens, denn neben einem Temperatursturz von 26 auf 10 Grad und leichtem Nieselregen am Vormittag – was dem norddeutschen Verfasser dieser Zeilen ganz klar einen Vorteil verschaffte – waren auch die Bäume und Sträucher noch so kahl, wie dies in heutigen Zeiten von jedem Playmate verlangt wird, ein Punkt, dessen Zusammenhang mit der Leistung von dr. delay nur vordergründig nicht offensichtlich ist, der aber an dieser Stelle ob der jungen Leserschar  auch nicht weiter vertieft werden soll.

Allerdings waren nicht alle mit dem Wetterumschwung einverstanden, da dieser die Disc-Golf-Fashion-Turnier-Pläne einiger Spieler wenn nicht gar zunichte machte, so doch stark beeinflusste.

Überhaupt stelle ich fest, dass das modische Erscheinungsbild auf der German-Tour, der Sonnen-Tour und bei fast allen anderen Zusammenkommevents der fröhlichen wie bunt gemischten Plastikwerferschar einen immer größeren Stellenwert einzunehmen scheint. Wichtiger jedenfalls als die Selektion der für das Turnier speziell ausgewählten Discs.

Verständlich, gibt es ansonsten nicht allzu viele Individualisierungsmöglichkeiten im Rahmen eines C-Turniers. So entdeckt man beispielsweise unter den Geübteren nur zwei Taschentypen (Schulterhänger oder Riesenbackpack). Dass ist nicht spannend, auch wenn manche Mitwerfer einen nahezu religiösen Umgang mit ihren Camouflage-Design verschönten Golftaschen pflegen.

Und ob man ein Vielscheibentyp ist (zB mein Weggefährte und politischer Unterstützer: Peter M., der bereits zwei Bußgeldbescheide auf beschwerlichen Turnierfahrten erwarb, weil sein Toyota wieder einmal mit Scheiben überladen war) oder ein Wenigscheibentyp (nach unbestätigten Gerüchten spielt Simon L aus Bremen noch immer mit den gleichen drei Scheiben seiner gerade erst überstandenen Kindheit, hat aber Innova-Aufkleber überall hingeklebt; ganz ehrlich: der Junge gewänne auch mit Floppy Disks) ist, lässt unter dem Strich eben auch nur wenig Platz für Individualisierung. Was bleibt? Richtig, das modische Erscheinungsbild. Und hierzu gibt es ganz unterschiedliche Ausrichtungen.

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Nicht genannter Werfer mit beeindruckender Technik

Den sportlich-vollausgestatteten Spieler, der nicht nur ein umfangreiches Regen-Schnee-All-Wetter-Taft-Equipment mit sich herumträgt, sondern immer auch auf plötzliche Kälteeinbrüche mit Taschen-Heizofen und Wechselunterwäsche vorbereitet ist. Im Kfz befindet sich zudem ein Disc-aus-piksenden-Hecken-Greifarm und ein Hybrid gesteuertes Plastik-Kalibriergerät, um die angeschlagene TD2 Fever heimlich in der Mittagspause richten zu können. Ich möchte an dieser Stelle kein persönliches Beispiel nennen, um Nachahmern keine Brücke zu bauen.

Die nächste erwähnenswerte Spielergattung ist die des Casual Players, deren grell strahlenstes Beispiel natürlich Uns-Greg ist, der nicht nur dem Unterzeichner, seinem ehemaligen Lehrmeister, gezeigt hat, dass man mit Jeans, Vans und einer ausgeglichenen Mentalverfassung mehr erreichen kann, als mit Vollausstattung von North Face oder Jack Wolfskin. Ein weiteres Beispiel ist der Haudegen Robert BobBob Delisle senior, der IV., der der heutzutage weitgehend gemiedenen Kleidungsvariante des Jogging-Anzug eins völlig neues Image einzuverleiben vermochte.

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Immer eine Augenweide: der Chicken Bob

Die dritte große Gruppe sind die Trendsetter, wie zB Marvin“ Fashion Boy“ Tetzel, der nicht nur zu einem der besten Juniors Europas heranwächst, sondern den Titel der Kategorie Sharp Dressed Junior gewinnt, bevor diese überhaupt geschaffen wird. Auch Ronny L aus Potsdam verzückt mit seinen Image bildenden, Krampadern vermeidende Kniestümpfen und hätte er Männerwaden, stellte sich bestimmt auch der Erfolg bei Frauen ein. So bleibt er vornehmlich nur ein verdammt guter und sympathischer Spieler.

Mir persönlich sagt auch die vierte Gruppe der Outdoorler zu, die der Einfachheit halber Shorts und T-Shirts tragen, dies aber dafür ganzjährig. Dem ist nicht viel hinzuzufügen, denn auch Nordmänner reden wenig.

Zum Turnier selbst ist ansonstenwenig anzumerken: Der Nieselregen sorgte für ein gesundes Hautklima und gewonnen hat Jens Erdmann, über den der Unterzeichner noch wenig zu berichten weiß, der aber durchaus nett ´rüber kommt, allerdings die Medien auch mit seinem putzigen Baby zu beeinflussen wusste, das er nach unbestätigten Gerüchten und gegen den Willen seiner Frau Orc genannt hat.

Auf den Plätzen zwei und drei folgten Kette, dessen richtigen Namen ich vergessen habe und Jerome aus der Kelly, äh Braun-Family

Die Masterswertung gewann wie so oft der Mann im Jogging Anzug, dessen Ansprache nach dem Spiel dessen Spiel perfekt wiederspiegelte: Kein großes Gehabe, einfach Ching und weiter.

Die Grandmasters gewann Peter der Große aus Hamburch, der endlich einmal an der DM teilnehmen will, noch sehnlicher als dr.delay an einem FKK-Tango-Kurs.

Zar Peter der Große

Zar Peter der Große

Zar Peter der Große während des Spiels

Die Frauen wurden von Frau Fischer und Frau Witt dominiert, die sich aber beide so gar nicht für den Unterzeichner interessierten, so dass a) Schröder nicht eifersüchtig werden musste und b) der Unterzeichner von seiner journalistischen Pflicht einer Dokumentation des Geschehens in der Frauen-Division für dieses Mal entbunden werden kann. Versprochen: Beim nächsten Mal wird mehr über die wohl mit Abstand interessanteste Minderheit der Disc Golf Gemeinde geschrieben: Frauen.

Abgerundet wurde das nette Turnier von einem perfekt eingespielten Orga-Team, wie es bei den Grünen heißen würde, allen voran Phil, dessen teurer VS-Rhetorik-Kurs sich so endlich einmal auszahlte. Jungs: Gut gemacht.

Unklar ist zurzeit, was mit dem Kurs werden soll, denn die schmucke Musterhaussiedlung nebenan wächst weiter wie mein Wurfarmfurunkel. Und ob Brandstiftung hilft? Lieber nicht.

Obwohl: Die Aussicht auf den Aldi hinter Bahn 18 würde ich echt vermissen.

dr.delay

Mai, 2013

Fotos: Jens Stelter

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dr. delay special:

Aus gegebenen Anlass (sprich der sogenannten Saure-Gurken-Zeit) starten wir an dieser Stelle mit der von unserem Kolumnisten bereits lange angekündigten, jedoch wegen juristischer Streitigkeiten immer wieder verschobenen, semi-autobiographischen Aufarbeitung eines bewegten Lebens, in welchem dr. delay an Hand der bedeutendsten Frisbeesportereignisse der vergangenen Jahrzehnte in exemplarischer Weise die Geschichte ebengenannten Scheibensports von seinen bescheidenen Anfängen bis zu seinem andauernden, ungeheuren Erfolg, der gerade mit der Errichtung des ersten (nicht zweiten !) Disc Golf Kurses in Hamburg (dr. delay berichtete) einen neuen Höhepunkt gefunden hat, analysiert.

Der Text wurde aus Gründen der Authentizität fast wörtlich aus dem seinerzeit für seinen hochwertigen Journalismus bekannten Frisbeesportmagazin Up! übernommen und lediglich um eine für unseren Nachwuchs erdachte Legende ergänzt.

(Es wird an dieser Stelle gebeten, die im Artikel und bei der EM verwendeten Pseudonyme nicht in die Neuzeit zu übertragen, da „Babs mit Bart“ einfach nicht mehr passt.)

Die Discmania-Blog Redaktion

Zwei zarte Liebeserklärungen

oder

DDC-Europameisterschaften in Oldenburg/OL vom 21.5. – 23.5.1994

Prolog: Zugegeben, der Titel soll anmachen! Denn ich finde es zum einen schade, dass die Ultimater die Nicht-Ultimate-Artikel nie lesen – vereinzelt sollen sie sogar von wütenden Großfrisbeewerfern aus der UP! herausgerissen worden sein – und zum anderen frage ich mich, wer würde ansonsten noch einen Turnierbericht aus der Vorhitzeperiodezeit diesen Jahres lesen.

Doch zurück zum eigentlichen: Da befand ich mich nun am frühen Morgen auf der Fahrt ins Ungewisse (A7). Mit mir das Team Hamburg 1, sowie meine Partnerin Babs. Der Himmel dunkel und verhangen über Norddeutschlands Tiefebene – eigentlich wie jeden Samstag! Keiner wusste so genau was uns erwarten würde, obwohl wir aufgrund jahrzehntelanger Frisbee-Erfahrung (alle zusammen) den Weg nach Oldenburg auf Anhieb fanden.

1. Tag:

Dreiundzwanzig bis Zweihundertneunzig Teams hatte es geheißen, und mehrere Spitzen-Duos aus Europas Norden sollten dort sein. Und Gerd-wie-hält-man-sich-bloß-so-jung Rosenowski hatte wieder mal Recht behalten … Natürlich hatten wir uns beim Player’s Meeting absichtlich nicht sehen lassen – weil keiner von uns so richtig an den neuesten WeeEffDeeEff-Regeln interessiert war (oder sie, wie in meinem Falle, auch nur bedingt versteht) – so dass wir schon neugierig von der Meute erwartet wurden. Hatte man doch im Vorwege bereits über Babs’ Identität gerätselt: „Ist sie schokoladenfarben oder mehr wie Kakao?“, „Singt Sie wirklich so gut?“, „Wie gut ist Ihre Vorhand?“.

Babs’ lässig-cooler Blick in die Runde brachte die DDCler dann schnell zum Schweigen – obwohl außer „Hallo“ auch noch keiner so richtig was gesagt hatte. Dann ging es los. Laut Spielplan sollte unser Leidensweg im Pool 1 beginnen. Die neuen Ponys wurden untergeschnallt und schon machten Babs und ich uns auf den Weg zum Grün. Doch dann sah ich sie: Mädchen. Jede Menge Mädchen., und alle so gut gewachsen – besonders um den Wurfarm herum. Ein wenig ungewohnt war es nämlich für mich schon, sind die einzigen Mädchen denen ich sonst auf Frisbee-Turnieren begegne stets mit dem Namen Sabine ausgestattet, und an beide habe ich mich längst gewöhnt. Zurück zum Spiel. Netterweise hatten wir nur ein Super-Helden-Team aus dem Norden-Norden im Pool. Denn vorweg genommen, unsere skandinavischen Frisbee-Freunde verloren, außer untereinander, nur ein einziges Spiel und spielten dabei wie vom anderen Land.

Im Laufe der drei Tage kam es auch zu manch mitreißendem Duell zwischen Schweden und Norwegen und umgekehrt, und häufiger auch gegen eines der anderen Teams. Stets spielten die Polarlichter dabei fair und nie überheblich. So wurden immer wieder stolz Ergebnisse wie: „wir haben vier Punkte gegen die Schweden geholt, einer davon war sogar herausgespielt“ ausgetauscht. Aber den Skandis, wie sie von keinem genannt wurden, zuzusehen war die 170 Kilometer lange, mühselige Anreise alleine wert.

Aber natürlich besiegten uns außer den Schweden im Pool auch noch so gut wie alle anderen Teams, außer natürlich die Alten und Gebrechlichen. Aber DDC will eben gelernt, und vor allen Dingen jahrzehntelang trainiert sein, was Babs mir anfänglich auch nicht glauben wollte. Nachdem ich nun versucht habe zu verdeutlichen, dass selbst mir als nicht gerade DDC-Eingefleischtem das lustige Spiel mit den zwei kleineren Plastikscheiben große Freude bereitete, muss ich mich bereits an dieser Stelle noch einmal den Spielerinnen in OL zuwenden.

Schließlich gab es dort so entzückende Geschöpfe wie „Näschen“ (Name von der Red. geändert), Anni, Susi und allen voran natürlich die heimliche Favoritin des Verfassers: Cathi (hach, wär ich doch noch ’mal Tien-Eytscha).

Und nicht nur, daß es eine reine Freude war, den Mädels zuzuschauen, es war auch eine reine Freude, den Mädels beim Spielen zuzuschauen; und das spätere Damenfinale: die Drews-Sisters gegen Sabine/Sabine war das beste und spannendste was ich im Damen-DDC seit der Währungsreform gesehen habe. Abends gab es dann natürlich Paady …

Bildschirmfoto 2013-01-10 um 15.05.31

2. Tag

Zurück zu den Männern! Nachdem Skandinavien (fast) alles gewonnen und der Rest sich ehrlich bemüht hatte, wurde am zweiten Tag in Leistungsgruppen gespielt. Selbst Babs und ich hatten hier siebenfachen Erfolg – allerdings im letzten Pool.

Anstrengend war es dann noch für die nachgereisten Tuttis Marc B. und Klaus 2. Beide mussten alle Spiele des ersten Tages nachholen. Zu harten und spannenden Kämpfen kam es erwartungsgemäß auch zwischen den spielstarken Weilheimern, den Tuttis aus Tuttlingen, dem Sauerlacher Team und den OLdies but gOLdies. Jedes einzelne Spiel aufzuführen würde hier den Rahmen sprengen und auch den letzten, verbliebenen Ultimate-Leser vergraulen, so dass ich an dieser Stelle nur auf die nachfolgende Ergebnisliste verweise.

Am Abend wurde dann erneut gefeiert, neue Freundschaften begründet, über Wunder Gottes diskutiert (nein, ich bin kein Atheist!), „Näschen“ von diversen Männern und Chris Voigt ergebnislos angebaggert, zweihundert Kästen Bier geschluckt und von Hartl wurden schmutzige Tricks vorgeführt. Kurzum gelungen!

3. Tag

Am letzten Tag kam es dann zu den anfangs angedeuteten, spielerischen Höhepunkten. Während der Rest der DDC-Schar ohne Scheu versuchte, schmerzlindernde Mittel auf Wurfarm und Umgebung zu verteilen – Cathi, hättest Du mich nur einmal gefragt, ich hätte so gerne meine Salbe auf Dir verteilt (Dolo-Arthrosenex Salbe ist gemeint; die Red).

Die Skandinavier mussten sich nun noch im Halbfinale untereinander bekämpfen, und das taten sie zur Freude aller bereits ausgeschiedenen. Kaum ein Satz, der nicht über die größtmögliche Distanz ging und kaum ein Spielzug mit weniger als zwei „Tips“. Ich fühlte mich ganz klein hinterher, und während des Finales wagte auch keine(r) etwa vorzeitig sein Zelt abzubauen oder zur Toilette zu gehen oder beides. Es war wirklich mächtig beeindruckend und so lehrreich noch dazu.

Nun, die Schweden gewannen mit dem Ex-Overall Champion Stefan Carlsson und Anders Johnson vor Schweden 2 x Bergström. Danach der von Anfang an (!) bändergedehnte, daher humpelnde 93er US Open Overall Gewinner und von Geburt an Norweger Sune Wentzel – mit Partner Aksel Hageseth, vor Finborud und noch mal Hageseth – ebenfalls aus dem Lande der Fjorde, Elche und Blockhütten. Keines der deutschen Teams hatte auch nur den Hauch einer Chance gegen die Nordländer – ja, ja, es gab da ein kleines unerschrockenes Team aus Tuttlingen… Aber eigentlich macht das ja alles nix, denn schließlich haben wir die besseren Fussis.

Epilog: Ich kann es an dieser Stelle nicht sein lassen allen 165g Schmeißern noch einmal zu raten, solltet ihr mal des air bouncen müde sein und mal was anderes versuchen wollen, dann ist OL the place to go! Denn wieder gab es in OL nicht nur eine perfekte Organisation (wenn man von der sehr günstigen, aber etwas stark schweinefleischhaltigen Nahrung absieht), sondern auch jede Menge Party und kühles Bier (mehr als zweitausend Kästen standen auf Abruf bereit), denn staff leader Heike und Carola hatten wieder alles im Griff.

Fraglich bleibt für mich immer nur, ob man immer alles gleich Eee-Emm oder Wee Emm nennen muss, denn viele gute Spieler ließen sich nicht sehen, und einige gute DDC-Spieler soll es ja sogar in Ultimate-Kreisen geben. Darüber hinaus konnte man die drei Tage auch relativ günstig gestalten, so hatte man z. B. die Wahl entweder kostenlos zu zelten, oder sich unter eine der zahlreichen Oldenburger Brücken zu legen. Auch war das Super-Frühstück inclusive, und trotz Sonntagsbackverbot gab es frische Brötchen.

Fazit: Kosten gut, Stimmung gut, Zugucken gut, Mädels gut…

Zur Vervollständigung: Am Rande gab es auch noch Accuracy, Ergebnisse unten. Meine Meinung dazu? Die erstel Staffel von Bonanza hatte es auch nicht gerade in sich; und wieso lebten da eigentlich vier erwachsene Männer und nannten ihr Zuhause PondeROSA?

Boris Bäcker

Juni 1994

Open (Ergebnisse)

  1. Stefan Carlsson/Anders Johnson                        (S)
  2. Per Bergström/Thomas Bergström         (S)
  3. Sune Wentzel/Aksel Finborud                (N)
  4. Thomas Finborud/Atle Hagaseth                       (N)
  5. Hartl Wahrmann/Chris Voigt                  (WEIL)
  6. Tuttlingen , 2 oder 3 (Karl, Volker)
  7. Tuttlingen 1-3 (Marc B., Klaus 2)
  8. Axel Kensy, Udo Kern                           (KIEL/SAU)
  9. Tuttlingen 1+2=3 (Raphael, Klaus 1)
  10. Fun Kollectors (Heiko und?)                  (OL)
  11. DDConnection (Bernd/Gerd)                 (OL)
  12. Wolfenbüttel (Florian, Manfred)
  13. Hansi Runge/Frank Buchholz                 (HH)
  14. Boris & Babs                                          (Monaco/HH)
  15. Felix/Kathrin                                           (WOL)
  16. Markus/Tammo                                      (OL)
  17. Utz/Markus                                            (OL)
  18. Daniel/Robin                                           (OL)
  19. Olaf/Christian                                         (WOL)
  20. Rotenburg… wg. Verletzung aufgegeben.

Legende:

DDC = Neben Disc Golf die lässigste Frisbee-Overall-Disziplin

Boris Bäcker = dr.delay

Babs = Greg Marter

Ponys = beliebte Rasensport-Schuhe aus den 90igern

Hartl = Hartmut Wahrmann

Sonntagsbackverbot = ein Relikt aus der Vergangenheit

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25 Jahre in the making:

Hamburg hat seinen ersten festen Disc Golf Kurs

Kaum zu glauben, nach nur 25 Jahren eifrigen Plastik-Gewerfes in der schönsten und größten Hansestadt gibt’s jetzt endlich einen festen Neun-Bahnen-Parcours und die Keimzelle des Hamburger Disc Golfs ist dabei nur rund ein Kilometer km entfernt.

PflanzcrewWir schreiben das Jahr 1987: Während bereits in den frühen 80igern die ersten Frisbee Ultimater (ein Mannschaftssport, der – wie wir wissen – meist von uncoolen, dafür besser als Disc Golfer aussehenden Uni-Recken und –reckinnen ausgeübt wird) das Plastik in HH hin und her warfen, fand im Sommer eben diesen Jahres das erste große Frisbee Event im Hamburger Stadtpark statt. Dabei handelte es sich um die deutsche Frisbee Overall Meisterschaft, einem Mehrkampf, zu dem – wie wir ebenfalls wissen – Weitwurf, Free Style, Disc Golf und Kochen ohne Salz gehört

Drei Tage lang duellierten sich gut aussehende Spieler, Spielerinnen und dr.delay aus fast der ganzen Welt, also Deutschland und Dänemark. Darunter waren einige, die ihr Handwerk sogar im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erlernt hatten, denn die Plastikscheibe wurde nach ihrem ersten Auftreten in den 70igern ja erst ein gutes Jahrzehnt später auch hierzulande sportlich entdeckt.

Viele sahen zu, die Stimmung war prächtig und als alle wieder abgezogen waren, hatte sich das verbliebene Dutzend Hamburger Spieler in die Disziplin Disc Golf verguckt, so wie dr.delay sich kürzlich in die stramme Fleischfachverkäuferin bei Lidl. Schnell und unter der Mithilfe der dänischen Disc Golf Legende Martin Frederiksen hatte man einen 18-Bahnen-Parcours ausgelegt, der später sogar auf 24 Bahnen erweitert wurde. Gespielt wurde dabei auf Bäume, Laternen, Telefonzellen und später Zielstangen.

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Dabei störte die Golfer wenig, dass der stark frequentierte Stadtpark eigentlich gar nicht geeignet war, um außer bei schlechtem Wetter eine beschauliche Runde Disc Golf spielen zu können. Man warf einfach über die Sonnenhungrigen, Fußballspieler und Griller hinweg und wenn wieder mal ein Hund statt dem Stöckchen der Plastikscheibe hinterherlief, musste man eben schneller sein. Meistens ließ man aber einfach schluchzend die Hälfte der Bahnen aus, was natürlich den Spaß minimierte.

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Genau diese Spaßeintrübung sorgte dann Anfang der 90iger dafür, dass der Verfasser dieser intellektuell und historisch bedeutsamen Aufarbeitung mit seinem damaligen, leider längst verstorbenen Disc Golf Kumpel: Hartmut „Blochi“ Bloch den gefährlichen Weg über die Jahnring-Fußgängerbrücke gen Norden wagte.

Dort entdeckten die beiden ein ihnen unbekanntes, neues Terrain in der City Nord, bespielbar zu jeder Jahres- und Tageszeit und bespielbar auch bei jedem Wetter, vorausgesetzt man nahm an heißen Tagen Rücksicht auf die Kampfhunde-Trainer-Treffen auf der großen Mittelwiese.

Schnell entwarfen die beiden Amateur-Disc-Golf-Kurs-Designer dort einen 18 Bahnen Parcours, der bis heute bespielt werden kann und im Rahmen der für 2013/2014 geplanten Erweiterung des Hamburger Kurses teilweise reaktiviert werden soll.

Während die Stadtpark-Zeit schnell abgelaufen war, spielte sich das Disc Golf Geschehen  Hamburgs mehr als eineinhalb Jahrzehnte bis Ende der 2000er Jahre ausschließlich auf dem immer wieder modifizierten City Nord Kurs ab. Und erst ein Hinzugezogener, der landauf, landab beliebte Bremer Markus Nowc, Gründer und Vorsitzender des Disc Golf Club Hamburg war es, der den Kurs noch weiter gen Norden, über den Überseering weit hinaus, verlagerte.

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Er stellte Anträge, legte Konzepte vor, forderte Genehmigungen ein und schuf so fast im Alleingang den ersten deutschen Großstadtkurs: den Disc Golf Kurs City Nord (kurz: DisGo Kay-Cie-EnN – was ich mir jetzt einfach mal ausgedacht habe), idyllisch gelegen zwischen Überseering und Hallifaxweg, nur wenige Wurflängen südlich des bekannten Handtaschenräubertreffpunkts U-Bahnhof Sengelmannstraße. Übrigens: Wir Hamburger vergeben die Bezeichnung Großstadt erst ab einer Million Einwohner.

Wäre der vorerwähnte Zugereiste schon alt, so wäre er für den Hamburger Disc Golf Sport eine Legende. Markus ist aber gerade erst knapp über 18 und lädt mit uns, den rund 30-40 Hamburger Aktiven in der Sommerzeit Dienstags und Donnerstags ab 18:00 Uhr und in der Winterzeit Sonntags ab 13:00 Uhr zum gemeinsamen Spielen und Trainieren ein.

Schaut mal vorbei. Wir freuen uns auf euch!

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12/2012

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4. Wolfenbüttel Open – Was wirklich geschah

(dr.delay vor Ort)

So passierte es an einem unscheinbaren Samstagmorgen, gegen 6:00 Uhr, dass sich dr.delay mit seinen beiden Vasallen in geheimer Mission an einem unscheinbaren Parkplatz in der schönsten Stadt der Welt traf. Ihr Plan: aufzudecken, was wirklich in Wolfenbüttel geschah. Das Problem: Noch war gar nichts geschehen im beschaulichen Wolfenbüttel, der knuffigen Bischofsstadt an der Oker, aber alleine der Titel dieser semi-journalistischen DiscGolf-Turnier-Kurzbetrachtung sorgt dafür, dass laut forsa ca. 23 % mehr Leser überhaupt anfangen zu lesen. Egal.

Als die drei endlich in WF ankamen, Peter Plan dabei gegen den gemeinen Virus frigus discgolfus ankämpfend, den er sich letztwöchig beim Leitzordnerordnen im überhitzen Büro zugezogen hatte – auch wenn dass hier kaum einen interessiert – und der ihn von der Masters-Geheim-Favoriten-Rolle in die Derreißtheutegarnixmehr-Rolle katapultierte, trafen sie zunächst auf viele bekannte , vom vielen Üben scheinrund gewordene Gesichter, einen wie immer zuversichtlichen TD nebst Helfer und tolles Wetter.

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discgolfpark

Und auch der Kurs bot einiges, außer nennenswerten Schwierigkeitsgraden, was zumindest dem nicht als Rekordweitwerfer bekannten, ansonsten durchaus beliebten Verantwortlichen dieser Zeilen sehr entgegen kam. Die Leichtigkeit des Seins in WF sorgte außerdem dafür, dass das Feld dicht zusammenblieb, was nicht nur spannender ist sondern zu einer kuriosen Situation vor dem Finale führte; an dieser Stelle der Hinweis für neu hinzugekommene dr.delay-Fans: Dieser Cliffhanger wird erst am Ende aufgeklärt.

Jedenfalls war es sehr angenehm, nur wenige Male die Hundertmetermarke bewältigen zu müssen, sondern sich vielmehr auf das Um-Werfen (nicht Umwerfen) von Bäumen, Sträuchern und einer auf dem Kurs von Hartz IV lebenden Gruppe von Lebenskünstlern, die in Absprache mit der Turnierleitung ihr eigenes OB abgesteckt hatten, um nicht zu riskieren, dass die eine oder andere verirrte Wraith unnötig gegen Holsten-Alu fliegt, zu konzentrieren. Überlasst die 600 m langen Par 3 Bahnen einfach unseren schwedischen Freunden, die sind dank Ihrer indigenen Herkunft einfach weitwurfstärker. Womit wir bei der Frage sind, ob Simon tatsächlich ein bremisch-kanadisches Produkt ist oder in der Forschungsabteilung von Wasa geklont wurde, was im Rahmen einer kürzlich erstmals aufgetretenen DiscGolf-Konferenz erstmals von dem bekannten deutschen DiscGolfer Fred Garter (Name von der Red. verändert) behauptet wurde.

Die erste Runde war dann schnell erledigt, und das intensivste Liebespaar der deutschen Disc-Golf-Szene – die Rede ist von Schröder und dd – hatte sich im Beisein der bezaubernden Dana Marlboro, wacker geschlagen. Natürlich gab es auch seitens der anderen 70 Recken und Reckinnen tolle Ergebnisse und alle durften sich anschließend am gleichermaßen anschaulichen wie geschmacksbefreiten Glutamat-Buffet im örtlichen China-Lokal „schingschangschong“ laben.

Die zweite Runde war dann der ersten ganz ähnlich, nur dass die Ergebnisse abwichen und vorletztgenannter Hüne – jetzt ohne seinen Mentor spielend – wieder laut fluchend sein Plastik über die Auen des Wolfenbüttler Schlossparks warf – aber eigentlich gehört das gar nicht hierher sondern ihr interessiert euch doch nur für die DiscGolf-Celebrities. Hierzu:

Der in der ersten Runde gar göttlich aufspielende Tobi B hielt seinen schier unglaublichen Vorsprung und deklassierte die Konkurrenz, wie Hertha BSC einst Bayern München. Und selbst der ähnlich gutaussehende Ronny L. hatte kein wirkliches Gefährdungspotential mehr in seiner Discmania-Tasche (hier einen ausführlichen Dank an meinen Sponsor !).

Der ewig gut gelaunte Trucker Greg und sein bescheidener Mitfahrer Swiss-George wurden gar zu Statisten degradiert, so dass sich die Meute kurz vor dem Finale aus lauter Verzweiflung auf ein kurzfristig anberaumtes Stechen um den fünften Finalplatz konzentrieren musste, da vier Spieler (!) auf Platz 5 lagen: Die beiden Juniors Red Kevin und Torben, über den sich dd zurzeit noch nicht weiter auslassen kann, da er sich vor ihm versteckt hatte und Hamburgs Legende Franki B.

Und was soll man groß darüber schreiben – der Unterzeichner, der nebenbei auch auf 400,00 € Basis als Teilzeit-Caddie für den vorerwähnten, vollbärtigen Greg arbeitet – hat nämlich dieses Stechen sowieso verpasst. Er war vielmehr damit beschäftigt, den Candy-Automaten im Musikschulengebäude zu begreifen, um die Sonderedition Deutschland M & Ms ziehen zu können, damit sein Arbeitgeber auf Grund von Unterzuckerung nicht im Finale versagen würde. Kurzum: Franki B, der zuvor unglaubliche 9 bzw. 6 Würfe an der „Insel“ gebraucht hatte, warf sich ins Finale.

Da alle anderen guten Spieler und dd an dieser Bahn je 2 Würfe gerockt hatten, dürfte selbst dem lässigen, späteren Gewinner im Schlaf immer wieder die Inselbahn erscheinen sein. Und über dieser  stand in Katana-roter Schrift „was wäre wenn…“.

DSCF1472Im Finale rockte dann die League der Extra-Ordinary Gentlemen und zahlreiche Jungburschen, Groupies usw. boten sich schamlos an, es dem Profi-Caddie dd nachzumachen, manchmal verlangten sie nicht mehr als einen Händedruck oder eine zärtliche Umarmung, um den anderen Pro-Disc-Golfern die Tasche tragen zu dürfen. Schamlos.

Zurück zu den Pros: Neben der Fähigkeit, sich sofort auf neue, jetzt ordentlich in die Länge gezogene, von den Zuschauern geforderte Pro-Bahnen einstellen zu können, fiel die untereinander vorherrschende Fairness und gegenseitige Unterstützung auf, die allenthalben praktiziert wurde. So kam es zu ganz entscheidender Spielszene – es ging um Platz 3 –, als Greg einen Fallen Putt callte, der zur Folge hatte, dass George strafwurffrei einen vergeigten Zielwurf wiederholen durfte – und diesmal traf,  und den dritten Platz behielt. Nachdem TD Stefan diese komplizierte Regel erklärt hatte, hatte nicht nur der Verfasser dieser gelungenen Zeilen in diesem großen Moment des Deutschen Disc Golf Sports Tränen in den Augen.

Dies bleib dann allerdings auch der einzige Höhepunkt des Finales, kurzum: Es gewann ein nicht nur in puncto Styling überzeugender, sondern auch spielerisch überragender Tobi B, vor dem ebenfalls noch als sexy durchgehenden Ronny L. Gefolgt von gleich drei Old Schoolern: George, Greg und Frank. Open 3 : Masters 2 – ein schönes spätsommerliches Turnier.

DSCF1453Und dr.delay konnte sich wieder beruhigt auf den beschwerlichen Weg in die Metropole des Nordens begeben. Keine besonderen Vorkommnisse.

August 2012

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25. Berlin Open: 22.06 bis 24.06.2012

 

dr.delay is back oder warum die 25sten Berlin Open einfach lässig waren

Nach meiner rund zehnjährigen Abstinenz auf Grund meiner Meditationsausbildung in Bhutan war ich sehr gespannt auf das große Jubiläumsturnier, die 25sten Berlin Open, dem einzig wahren großstädtischen Disc Golf Clash. Natürlich bot man mir eine Wildcard an und der Besuch der BO 2012 sollte sich lohnen.

Was mich dort erwartete waren zunächst einmal jede Menge hochkarätige Spieler, die nicht nur aktuell zur deutschen oder gar europäischen Spitze gehören, sondern dabei auch noch gut aussehen. Zwei Attribute, von denen ich bis heute nur eines erfülle.

Darüber hinaus traf ich auf viele alte Gesichter – im wahren Sinne des Wortes. Aber Dank Hüftgürtel, Haarfärbemittel und Botox konnte ich die meisten dann doch noch wiedererkennen.

Außerdem dabei: Ein echter Amerikaner und Ex-Weltmeister dazu. Nicht nur so eingedeutschte Global Disc Golf Players, wie Deutschland sucht den Grandmaster Gewinner Stephen, der seinem putzigen Riesensohn verzweifelt die links geworfene Rückhand beizubringen versucht, nur um ihn „Lefty Defty“ rufen zu können oder den kanadischen Gen Pool Betreiber für Disc Golf Supertalente aus der zweitschönsten Hansestadt. Nein, es handelte sich um einen real California Boy. Braun gebrannt und extra für dieses Event mit Air Berlin aus Irgendwo/USA eingeflogen.

Avery war dann auch noch genauso, wie man ihn bewundern wollte: Gut aussehend, athletisch, volksnah – und fast immer gut drauf, was vielleicht an dem Mietwagen lag, das man ihm zugewiesen hatte . Auch hörte man es leise munkeln, dass ihm die Berlin Open zu klein waren. Pffft.

521413_3608958816664_1535197973_nBereits am Freitag Nachmittag herrschte eine relaxte Grundstimmung bei den Players – außer vielleicht bei Frank N., der sich – wie schon früher – um einen perfekten Turnierverlauf sorgte und dies – wie schon früher – fast problemlos umsetzte. Natürlich mit der Unterstützung von zahlreichen anderen zugezogenen (Großraum-)Berlinern und natürlich dem netten TD mit dem komischen Namen.

Bei idealen Bedingungen, die nahezu das ganze Wochenende anhielten, wurden dann zahlreiche brillante Paarungen gebildet, wie Jenkins/Lizotte jun., Kattwinkel/Delisle sen., dr.delay/Allgäu-Micha usw., nur um die wichtigsten zu nennen.

Und erwartungsgemäß wurde dann ein brillantes, spätabendliches Doubles Disc Golf gespielt. Wer so ´was nicht mitspielt, hat selbst schuld.

Anschließend wurde hektisch eingepackt, damit man seinem Zweitsport zuschauen und als Jogis Assi lautstark kommentieren konnte.

Der Kurs in Rehberge, so viel ist ergänzend anzumerken, wird nicht nur zum großen Teil in seiner Urform gespielt, nein, Trucker Greg hatte seine krummen Linkshände nicht im Spiel. In Berlin-Wedding ist man einfach rechtslastig und dass gewisslich nicht politisch. Auch waren die verständnisvollen und meist mit fremdländischen Migrationshintergrund ausgestatteten Weddinger wieder da und trainierten für den Fight Club auf Bahn 10, lungerten, äh, lagen auf Bahn 4 herum oder tanzten einfach nur ihren Namen auf Bahn 16; ok, bei Letzterer handelte es sich um die zugezogene Renate K. aus Gussenstadt bei Söhnstetten.

Kurzum: Rehberge ist weiterhin ein toller Kurs, der genügend Birdie-Chancen bot – selbst für den Unterzeichner. Lediglich die spätere Gewinnerin aus dem Land der genetisch manipulierten Wundersportler, Miss Emanuelsson, beklagte sich dem Verfasser dieser Zeilen in einem intimen Zweiergespräch, dass mal schocke 50 m auf jede Bahn draufzupacken sind, damit sie abends nicht immer noch die anderen Jungs beim Armdrücken besiegen muss, um müde zu werden.

Samstag nun ging es dann zu fast nachtschlafender Zeit erst richtig los und deutlich mehr als 100 Spieler widmeten sich dem Plastik-gegen-Kette-Clash in zwei Pools. Genau dieser Punkt schien dann auch ein Kritikpunkt zu sein schien, wie mir mein Maulwurf zutrug.

Ja, wat denn? Sollen nun ganz viel Gute Disc golfen? Und andere auch, z. B. Berlin Open-Wiederholer und Recken aus Zeiten, in denen Dave noch gar nicht wusste, wie er seinen achten Sohn, den später noch zu erwähnenden Gewohnheitssieger, nennen sollte?

Natürlich lautete die Antwort: Ja, und deshalb lag man über den sonst üblichen, oft popeligen bis überschaubaren Spielerzahlen und man musste halt früh aufstehen oder die Sportschau um 18:00 Uhr auslassen. Wo ist das Problem? Beides geht nicht, ihr Luschen.

Ich jedenfalls, und es gab Zeiten, in denen mein Wort nicht nur in der blauen Gruppe in der Kita Hirtenstraße gehört wurde, fand das ganztägige Gewusel einfach nur gut.

Es gab´n Zelt, Bänke, einen Verkaufstand meines Sponsors Discmania und immer wieder einen zum Sabbeln, wie wir im Norden zu sagen pflegen. Dass passte und da die Pünktlichkeit der jeweiligen Gruppenstarts besser war als die der DB, wurde stets im Hellen aufgehört.

Zur Turnierplanung gehörte dann am Sonntag, nachdem natürlich wieder zur Early Bird Zeit eine dritten Runde absolviert worden war, ein 9-Bahn-Semi und anschließend ein 9-Bahn-Finale, in welchem sogar die legendäre Tunnelbahn gespielt wurde.

Courtesy of Rene Westenberg

Wer bei diesen beiden Highlights, insbesondere dem rockigen Finale nicht mitging und meinte, schon früher abreisen zu müssen, der weiß nicht was gut ist. Der soll bei einem der zahlreichen Kleinstadt-C-Turniere glücklich werden. Die sind um fünf um, bum.

Hier gab es richtiges Disc Golf Feeling. So ´was kommt (nicht) nur in Berlin auf, wo Leistung und Lässigkeit nebeneinander existieren, so wie sexy und dr.delay zusammen gehören.

Ma´ ehrlich. Frisbee und somit Disc Golf ist doch Invisible String, ist Baseballmützen, Retro-Frisbee-Shirts und Tattoos, Bier und Fluppe in der Pause und keine Regel- und Etiketteeinhaltungsveranstaltung wie von Herrn Hinkelstein gewünscht. Wenn einer rauchen will, dann soll er es tun – wir sind im Freien. Wenn die Tunnelbahn zum Finale aufgebaut wird, dann zieht man die Tee Off Line eben mit dem Fuß. SFW! Und wenn sich einer einen Barfußläufer als Caddie hält, dann ist dass lässig, dann ist dass Berlin.

Ich finde, spätestens die 30sten Berlin Open brauchen drei Pools, weil so viele Disc Golfer hier spielen wollen und sollten.

Zum sportlichen Ende: Nicht nur das Finale wurde von Superleistungen durchzogen und wenn ihr in der offziellen Ergebnisliste die ganzen Unterparspieler mal durchzählt, dann ist dass gewaltig gut. Ich kann und will gar nicht alle erwähnen, zumal mir die meisten, die in der meditativen Zeit meines Daseins erst begonnen haben, noch gar nicht bekannt sind, außer vielleicht Schröder, aber der kann ehrlich gesagt überhaupt nicht spielen, aber dafür laut fluchen.

539659_2908327246362_2021602419_nErwähnen tue ich verkürzt Avery, Dom und Christian, die gleichermaßen für das neue Disc Golf stehen: athletisch, praktisch, gut. Stilistisch eine Schau.

Bei uns Greg ist es dann eher der Style und die mentale Athletik, die zu erwähnen ist. Sein Sixpack verschwindet eh unter seinem Dreijahrebart und weit und gut werfen kann er sowieso. Hat er ja von mir gelernt!

Und zu Simon, dem Frisbeegott und seit-Jahren-Dominierer (natürlich habe ich recherchiert, bevor ich mein Word 2.0 wieder aktiviert habe) brauche ich nicht viel zu sagen, außer dass er eigentlich verletzt war und deshalb auch Stockholm auslassen muss. Deshalb warf er meist einen Sidearm, der Arme. Haha. Es reichte so locker.

Diesem Fünfergespann

Courtesy of Rene Westenberg
Courtesy of Rene Westenberg

zuzuschauen war besser, als immer nur German Ranking Statistiken oder die 613. PDGA-Regelfassung zu studieren oder Turniere regelrecht nur abzuwerfen, um ausreichend Punkte für die DM zu sammeln. Californische Perfektion traf mentale Stärke traf unglaubliche Energie traf lässige Golfer.

Ich, als Caddie im Finale unterwegs, wusste jedenfalls alsbald, dass sich der weite, beschwerliche Weg in die Hauptstadt gelohnt hatte; und wenn mir Frank N. für die BO 2013 keine Wildcard organisiert, muss sich Discmania einen neuen Berater suchen. Einfach lässig .

dr.delay

3 Gedanken zu “dr.delay knows…

  1. Pingback: Endlich: dr. delay reloaded! | "reinvent your game!"

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