dr. delay fährt Bus

Wie dr. delay einmal mit dem Bus fuhr

Aus der Rubrik: dr. delay knows

Da dr.delay in den letzten Wochen der Elan fehlte, um regelmäßig Plastikscheiben zu werfen oder gar seine Wurfkunst auf Turnieren zu demonstrieren (eine vorübergehende Unlust, hervorgerufen unter anderem durch die Tatsache, dass es so viele nachwachsende BlödbackenInnen gibt, die dr.delay Disc Golf erklären wollen), er jedoch seiner ständig nach Nachschub gierenden Leserschar (sofern ‚Schar’ auch für weniger als 10 Personen gilt), den weiteren Entzug nicht zumuten zu können glaubte, kam dr.delay auf die glänzende Idee, einen Bericht über Lebensereignisse abseits des Disc Golfs Sports zu schreiben (sofern dies überhaupt möglich ist).

Nun gut, der Grund meiner Reise war dennoch frisbeeorientiert, es handelte sich nämlich um ein geheimes Geheimtreffen der heimlich Mächtigen unseres Sports in der Hauptstadt, die unter dem Arbeitstitel „Ist Oval das neue Rund? zusammenkommen wollten. Doch dazu kam es nicht und dass ging so:

Die Deutsche Bahn ist verlässlich, sauber und pünktlich, mit der klitzekleinen Einschränkung,, dass die Temperatur maximal zwischen 12,5 und 21 Grad Celsius schwanken, es nicht zu stark regnen und auch nicht doll winden darf, wie es vor kurzem in Norddeutschland der Fall war, als Christian uns heimsuchte (nicht Plaue; die Red.).

Frohen Mutes und mit vielen neuen Ideen in meiner DiscCarrier Bag, z. B.: „keine G-Strings bei A-Turnieren“ oder „Verkaufsverbot von Ladyline Discs an Martin Kunz“, machte ich mich auf den langen beschwerlichen Weg von HH nach B. Und kam pünktlich bis Neustadt an der Dosse, welches hier sein oder ihr – die Geschlechtsspezifizierung einer ostdeutschen Kleinstadt verhält sich ähnlich schwierig, wie bei den hübschen thailändischen Wesen im Rasputin in der Großen Freiheit, wobei mir letzteres natürlich nur aus dritter Hand zugetragen wurde – ostprignitzisches Schattendasein fristet.drdelay fährt Bus

Der Zug hielt und in den folgenden zweieinhalb Stunden gab es so viele lustige Durchsagen, dass ich mir nun endlich sicher sein konnte, dass Thomas Gottschalks Gagschreiber nach dessen lang ersehntem Weggang bei „Wetten dass?“ endlich eine neue, angemessene Position gefunden hatte. Leider enthielten die Durchsagen wenig Informatives, außer dass es den Deutsche-Bahn-Mitarbeitern bei Gulagstrafe verboten ist, das englische „tie-äytsch“ anders als „ssssss“ auszusprechen. Warum auch? Wir wollen der Welt zeigen, dass wir stolz darauf sind, beim Englisch sprechen ähnlich charmant wie unsere französischen Nachbarn zu klingen. Jetzt sind wir wieder wer!

Anyway, genug der Anglizismen, weiter im Text.

Ich hatte meinerseits bereits eine Abholung im schönen Neustadt an der Dosse durch Frau Delay organisiert, welche ihrerseits wiederum unsere Kinderschar bereits sorgsam im Kohlenkeller untergebracht hatte, damit diese nicht wieder mit ihren schmutzigen Kinderhänden meine wertvolle Playboy-Hefte-Sammlung aus den 60igern begrabbeln könnte. Doch ich musste alles abblasen, wobei mir noch nie bewusst war, dass man „Blasen und Playboy“ in einem Absatz unterbringen kann, und es trotzdem noch FSK 6 ist. Toll.

Der Zug hatte sich dann aber überraschenderweise und ohne eine der putzigen Ansagen in Bewegung gesetzt und rollte – vermutlich mit Autobatteriekraft oder so – gen Berlin. Ich musste umdenken, neu planen, aber Logistik liegt uns Deutschen ja im Blut, wie den bereits erwähnten Franzosen das Cholesterin. Ich meine wegen der ganzen Gänseleberfresserei und dergleichen.

Frau Delay war schon wieder auf dem Heimweg; unsere Kinder wurden übrigens gleich am nächsten Morgen vom Jugendamt befreit, nachdem sich Amy Delay-ny mit einem im Boot-Camp für schwer Erziehbare erlernten Heizungsrohr-Klopfmodus bemerkbar gemacht hatte.

Wenig später rollten wir dann in den sieben- oder so-stöckigen Berliner Hauptbahnhof ein und zum ersten Mal fühlte ich mich wieder an Operation Frequent Wind (der Evakuierung Saigons, die den Vietnamkrieg beendete; die Red.) erinnert, nur dass es keine bösen Kommunisten gab, vor denen man Angst haben musste. Es herrschte Chaos und die Schlangen vor den Info-Schaltern waren so lang wie an den Bierständen Wackens. Was tun?

Mein Problem war, dass ich am selben Tag zwingend wieder in die Nordmetropole zurück musste, da im dortigen Disc Golf Think Tank nun mal ohne mich nix läuft, die Bahn sich aber aufgrund der starken Winde nicht mehr auf die Schienen traute. Da ich stets unter dem Sicherheitslevel notorious reisen muss, nimmt mich auch kein Vier-Sterne-Hotel auf und ich hätte womöglich in einem Backpacker-Hostel übernachten müssen; mein ehemaliger Schüler Magic Greg weigert sich nach meinem schonungslosen Bericht über die Geschehnisse in Nokia immer noch, mir sein Sofa und seine Zahnbürste anzubieten.

Mein Hirn ratterte und selbst mein IQ von knapp über Durchschnitt half hierbei kaum weiter. Da kam mir der rettende Gedanke: Bus! Es gibt doch diese putzigen Hochbusse, die bunt beklebt die BABs bevölkern und zahlenmäßig schon jetzt so stark sind, wie der Fan Club Hoffenheims nie sein wird. Damit musste es mir gelingen, wieder zurück in meine schöne Hansestadt zu gelangen.

Nach einem harten Kampf gelang es mir, eine der letzten S-Bahnen zu besteigen, die noch fahren durften, bevor ein Blackout vom Senat angeordnet wurde, schon um die schwächelnde Geburtenrate Berlins positiv zu beeinflussen.

Vom Westkreuz gelangte ich gegen Sturmböen ankämpfend zum ultraschicken Berliner ZOB und tatsächlich stand dort ein 500 PS-Bolide bereit, um sich durch fiese Seitenwinde Richtung Nordnordwest zurückzukämpfen. Mit Bakschisch ergatterte ich ein Ticket und schon saß ich im Bus.

drdelay fährt Bus2Zwar beschäftigte mich mein 1982 ausgelöstes Bustrauma – ich musste 45 Stunden lang in einem veralteten Greyhound von Houston/Texas in den Big Apple (NYC) fahren – durchaus bis zum Berliner Kreuz, aber die Lektüre des ‚Disc Golfer’ sowie der aktuelle Bildband Holly Finale Finleys hatten mich bald gefesselt.

Die Fahrt verlief meistens schlingernd, nur meine Mitfahrer hinterließen ein explizites Bild des mir vorher nicht bekannten Buslinienpublikums.

Neben mir ein dauermüffelnder, osteuropäischer, sicherlich hart arbeitender Mitbürger, der mir netterweise zeigte, wie man die Bustechnik (gemeint ist die Leselampe; die Red.) bedient, ansonsten aber schnarchfrei schlummerte. Gut, sein ´rüber rutschendes Knie zwang mich, schwerpunktmäßig im Gang zu sitzen, aber sonst war es nett. Wie erwartet wachte Slowomir (so nannte ich ihn liebevoll) an der Hamburger Stadtgrenze auf und aß sich noch einmal richtig satt – mit dem Rest aus der Aldi-Chips-Tüte (Marke Puszta pikant). Dann trank er  aus seiner River Cola-Plastikflasche und ich machte zwei Kreuze in meinem Klischee-Handbuch. An dieser Stelle möchte und muss ich einmal meinem Unmut über den Frevel, Cola in Plastikflaschen anzubieten, Ausdruck verleihen und ankündigen, eine Protestnote an die Bundesregierung zu schicken. Alles nur wegen Trittin sein Pfandhang. Arschkrampe, der.

Vor mir war es wenig spannender: Ein Mittsechziger, der vergessen hatte, seine Jerry Cotton Romane einzupacken und stattdessen auf seinem HTC verzweifelt versuchte, Angry Birds in den Griff zu bekommen. „Herr Merkel (so nannte ich den sympathischen Fastrentner), dass ist nur für eine Doppeldaumenbedienung gedacht. Das können genetisch bedingt nur Teenager, nach 97 geboren. Für uns gibt’s Memory auf´m Ipad.“ Er ignorierte mich aber und schnalzte stattdessen im 30-Sekunden-Rhythmus, nämlich immer wenn er verkackte. Und das war jedes Mal. Ruhe kehrte erst ein, als er aufgab und stattdessen lautlos 45 Minuten lang eine ein-Finger-SMS schrieb.

Neben mir dann der Höhepunkt: Ein Werber. Ich hasse sie – fast alle, außer natürlich meine Freundin Mechthild, die Art Direktorin und hübsch ist (hoffentlich liest das nicht Frau Delay. Von allen Berufsgruppen, die man auf Knopfdruck eliminieren sollte, nimmt die der Werber Platz eins ein. Der Typ war so dämlich, dass es mir nicht einmal gelang, ihm einen Namen zu geben. Er schaffte es, die Hälfte der Fahrt über zu beweisen, dass Worte wie „Shooting“, „Ell-Ey“ und „Chillen“ eben doch keine alltaugstaugliche Kommunikation verwirklichen sondern nur das sinnentleerte Gebrabbel von Ed Hardy-T-Shirt tragenden Furzköpfen darstellt. Zwischendurch sprach er sogar englisch, ich meine: denglisch, denn der Satzanfang „The thing is …“ könnte auch von Gayle Tufts analysiert und ihr Bühnenprogramm aufgenommen werden. Loser.drdelay fährt bus3

Als sich der Werber dann beim Stop sofort ´rausdrängelte und ich darüber meinen berechtigten Unmut bekundete, rief er mir ein überlegenes „Spassti“ zu, woraufhin ich ihm ein „Spassti ist voll 80iger“ entgegnete, was berechtigterweise und dauerhaft für Ruhe sorgte. Ich bin sicher, spät am Abend musste er dann doch ein bisschen in sein Habitat-Kissen weinen.

In Ruhe konnte ich mich dann auch auf meinen Nachhauseweg begeben, denn in Hamburg lief längst alles wieder – wir sind den Wind eben gewohnt.

Das geheime Geheimtreffen fiel übrigens aus, da auch es auch die anderen Teilnehmer nicht in die Hauptstadt schafften. Avery J. soll in immer noch einer lettischen Bierkneipe festsitzen und baltische Biersorten zählen. Süllväng Rouge – oder so ähnlich – ist an Gänseleberpastete erstickt. Nur der Vertreter Japans Fuku Shima wartet wohl noch immer auf eine Besserung der Lage.

Wem in diesem Lebensbericht im Übrigen der Spannungsbogen fehlt, der kann gerne mit meinem Lektor ein Bier trinken gehen, und ab 2014 bietet dr.delay Disc-Golf-Busreisen an.

dr.delay in11/2013

2 Gedanken zu “dr. delay fährt Bus

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