dr.delay interviewt Gregor „DaManiac“ Marter.

 

Die meisten unter den eifrigen und strebsamen Disc Golfern haben es bereits mitbekommen, viele waren und sind deswegen immer noch in Sorge. Was war passiert? In Nokia, Austragungsort der diesjährigen European Open, dem größten Preisgeldturnier auf unserem Kontinent, stieg uns Greg, DIE Lichtgestalt des hiesigen Plastiksports, überraschend in der dritten Runde aus.

Nicht nur die Deutsche Disc Golfer Nation wälzte sich in dieser Nacht unruhig hin und her, auch bild.de berichtete am nächsten Tag in einer kurzen Meldung darüber. Oder war es discgolf.de?

Jedenfalls zeigte sich auch dr.delay ob dieser Nachrichten zutiefst geschockt und begab sich bereits kurze Zeit später in die Hauptstadt, um sich selbst und die breite Öffentlichkeit über die wahren Gründediese unerhörten Vorfalls aufzuklären.

 Hauptstadt. Abends. Dämmerlicht. Wir befinden uns im „Suzie Mambo“, einer Szene-Bar, zu welcher außer den üblichen Hauptstadt-VIPs allenfalls Betuchte Zugang haben oder Frauen mit mindestens 12 cm Abstand zwischen Schuhsohle und Erde.

 Mit mir: Greg, lässig gekleidet, stylisch, wie immer. Seine Begleitung wird mir als Privatsekretärin vorgestellt und weist eine verdächtige Ähnlichkeit mit der nicht unberühmten Laura Stone auf.

Fragen zu ihrer Person werden jedoch von Greg lediglich mit einer verächtlichen Handbewegung beantwortet. Wie immer bleibt Greg´s Privatleben ein wohlbehütetes Geheimnis.

Seine Sekretärin macht dann im Verlauf des anschließend fast wortgetreu wieder gegebenen Interviews wenig mehr, als ihren Locken umrahmten Kopf zur Doo-Wop Musik des DJs zu wiegen und „ihren Chef“ gelegentlich verführerisch anzulächeln. So ist dass, wenn man berühmt ist.

 dr.delay:  Wie geht es Dir, Greg? Und ich möchte Dich ob des ernsten Hintergrundes unseres Interviews bitten, mich nicht aus der Gewohnheit heraus Master zu nennen, bleiben wir bei „Doc“.

 Greg:  (lächelnd, ein wenig zögernd, bevor der sonore Bass anfängt einen zu umgarnen) Gut soweit, Doc, nach einigen Wochen Medikation (M & Ms, allerdings keine grünen; die Red.), bin ich jetzt wieder ´runter. Höchstens noch mal ´ne Fritz (Cola; die Red.) zum Einschlafen.

 dr.delay:  Ist Nokia verkackt, vergessen, vergeben?

 Greg:  Verkackt auf jeden Fall. Vergessen? Ich bekomme immer noch Mails aus der ganzen Welt. Meine Fans lassen mich spüren, dass sie mich nie aufgegeben haben. Und, zusammen mit meinem Urschrei-Therapeuten arbeiten wir auf. Dass wird.

dr.delay:  Und vergeben?

 Greg:  Ich bin nur ein Schüler und nur der Chef selbst vergibt. Aber ich glaube, der ist ein verdammt guter Disc Golfer. Rating über 1100, schätze ich.

 dr.delay:  Was war denn nun wirklich los?

Greg:  Nach einem nicht unbedingt berauschenden ersten Tag im schönen, miethaussiedlungsumrahmten Nokia und einem noch schlechteren zweiten Tag, litt ich am dritten Tag ein wenig unter dem finnischen Sommer, der sich mit max. 15 Grad, viel Regen und ebenso starken Winden von seiner nicht unüblichen Seite zeigte.

Ein wenig war ich vielleicht auch von den zuschauenden, Mini-Rock tragenden starken Finninnen abgelenkt (blickt lächelnd zu Lana herüber). Oder waren es Schwedinnen? So vom Typ Linda Emanuelsson, weißt Du?

 dr.delay:  Komm zum Punkt, Greg.

 Greg:  Ja. Eigentlich fühlte ich mich gut. Trotz des nachtschlafenden Tee Offs gegen sechs oder sieben morgens war ich gut drauf, spielte sogar besser als an den Vortagen. Doch dann kam sie, eine brutale 180 m lange, Par 4 Downhill Bahn. Noch viel fieser als Gargamel. Weißt Du, der bei diesen lässigen kleinen blauen Männern mit den weißen Mützen ´rumstänkert. Wie heißen die noch gleich?

 dr.delay: Greg, bitte.

 Greg: Sorry. Naja, irgendwie war mein Mojo unterwegs verloren gegangen. So ´was wie Wurfunsicherheit schlich sich ein. Und der Cut schien unerreichbar.

 dr.delay: Wann hattest Du das letzte Mal einen Cut verpasst?

 Greg: Seit der Währungsreform nicht mehr, und ich meine nicht die Umstellung auf den Dings, den Euro.

 dr.delay: Wie äußerte sich denn das Gefühl, die Wurfunsicherheit? Zittern, schluchzen, Fieberschübe?

 Greg: Nein, irgendwie verschwand mein Disc Golf Vokabular, dass vornehmlich aus Birdie, Eagle, Ching und Cut besteht und es tauchten Worte vor meinem inneren Ohr auf, wie „daneben“ oder noch schlimmer „Doppel-Bogey“. Ich wollte mich nur noch zusammenrollen und meinen IPod aufsetzen.

 dr.delay: Was ist denn momentan auf Deiner Playlist?

 Greg: Das Übliche. Bißchen Bieber, bisschen Miley und „Rammstein live in Bitterfeld“.

 dr.delay: Und dann?

 Greg: Ich musste ja weiter ran und nach einem Doppel-Bogey auf der 15 war ich schon in Trance. Aber was dann auf der 16 ablief, würde eigentlich eine FSK-Freigabe ab 21 nach sich ziehen.

 dr.delay: Beschreib mal die böse 16.

 Greg: So böse war sie gar nicht, eine faire Inselbahn. Man muss weit werfen und im Fairway unbedingt gut vorlegen, um dann die Insel zu treffen. Ist für Lefties wie mich sogar einfacher und ich lag einigermaßen gut positioniert. Doch dann passierte es.

 Nokia

dr.delay: Ich höre …


Greg: Bam, bam, bam. Erster Wurf vom Strohballen abgeprallt, weg gerollt. Zweiter Wurf überworfen. Dritter Wurf Grip Lock. Vierter Wurf verrissen and so on. Einfach das volle Programm. Aber, ich hatte nie Zweifel, dass ich die Insel aus meiner ca. 95 m entfernten Lage verpassen könnte. So´n Wurf mache ich sonst im Schlaf.

 dr.delay: Durfte man nicht sogar zwischendurch seine Scheiben wieder einsammeln?

 Greg: Dass durfte man und dass tat ich. Zweimal, nach jedem fünften Wurf.

 dr.delay: Einen aufs Fairway und zehn vergebliche Versuche. Es kam der Wurf Numero 12.

 Greg: Nein, Wurf Nummer 13, denn ich hatte den ersten Wurf von der TeeBox schon ins Aus geworfen (an dieser Bahn wurde die Stroke & Distance Regel gespielt, die Red.), aber meine Mitspieler hatten schon Pipi in den Augen. Dann machte ich meine Ansage.

 dr.delay: Ansage?

 Greg: All in! Ich schaute allen tief in die Augen und sagte: „Ich treffe oder ich höre auf.“ Es fühlte sich an, als wäre ich „Full Tilt“. Ist´n Begriff aus´m Pokersport, wenn man nicht mehr ganz bei Sinnen ist und alles setzt.

 Greg schaut bedeutungsschwer auf den Boden und auch ich unterbreche dieses Schweigen eine Minute lang nicht.

 Greg (der sonore Bass klingt für einen Moment ein wenig brüchig, Laura krault Greg den Bart): Mein Gameplan war einfach nicht mehr vorhanden. Ich packte meine Sachen und hörte auf. Ich glaube meine Mitspieler brauchten einen Moment, um überhaupt weiterspielen zu können. Ich blieb aber bis zum Ende, da ich den Score schrieb.

 dr.delay: Flossen Tränen?

 Greg. Ich habe nicht mehr so geheult, seit ich Billy Elliot im Kino gesehen habe😉.

dr.delay: Und die Reaktionen der anderen?

 Greg: Paul sprach mir ein Einreiseverbot für die USA aus und die angereisten Hyzernauts-Kameraden warfen mein Bag in den Flökkmökk. Nein, im Ernst es gab alles an Reaktionen. Verwunderung, Arme auf Schulter; Umarmungen. Leider kam Linda aus Schweden nicht auf diese Idee. Und Valerie bot mir ihren Schlafsack an – aber sie wollte drin liegen bleiben.

 dr.delay: Nicht Dein erster Ausstieg?

 Greg: Technisch gesehen nicht, aber emotional schon. Ich glaube, bei meinem dritten Turnier, ca. 1992, stieg ich aus, weil ich nasse Füße hatte. Nach 120 Stunden dänischem Dauerregen.

 dr.delay. Deine Lehre aus Nokia?

 Greg: Pack genügend warme Socken ein und Rock´n Roll. Aufgeben ist keine Option. Nicht Gestern, nicht Heute und schon gar nicht Morgen.

 

Herr Marter, wir danken Ihnen für diese Gespräch. (Das „Interview“ führte dr.delay in 08/2013.)


 

 

Was passierte in Nokia?

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