dr. delay das erste Mal im Stroh

Das erste Mal im Stroh

Oder: Was in Löningen alles geschah

Es war das erste Mal und am Ende tat es auch ein wenig weh. Aber ich fange von vorne an:

Nachdem mir Frau delay überraschenderweise das delay-Mobil überlassen hatte, machte ich mich frühmorgens, also zu einer Zeit, die auch den beflissensten Handwerksmeister nicht aus den Feder reissen würde, auf den langen, beschwerlichen Weg in eine gewisse Nord-West-Metropole namens ‚Löningen‘. Selbst mein Navi war sich allerdings nicht ganz sicher, wo dieser putzige kleine Ort, das Schmuckstück des Oldenburgischen Münsterlandes liegen würde und daher gab ich einfach „Richtung Holland“ ein und zählte die Abfahrten.

Ungefähr bei Abfahrt 93, von Hamburch aus waren es kaum zwei Stunden, ließ ich den italienischen Sport-Motor unter 12.000 Umdrehungen sacken und verließ gemächlich die Autobahn, die in dieser Gegend ohnehin ganz überwiegend als Teststrecke für den Golf VIII benutzt wird, schlichtweg, weil es zu wenige BAB-Benutzer in diesem Landstrich gibt, die auch über einen gültigen Führerschein verfügen.

Macht nichts, sagte ich mir, die Sonne scheint und Hartl kommt … nach Löningen, meine ich. Was sollte also schief gehen? Und kaum hatte ich ein- und wieder ausgeatmet, war ich auch schon durch Löningen hindurch. Macht nichts, sagte ich mir erneut, wendete gemäß Fast & Furious III (37te Minute) und entdeckte direkt nach dem U-Turn ein hilfreiches „Zum Discgolf“ Hinweisschild.

Den Boliden sorgsam geparkt, die Turbos summten noch leise vor sich hin, noch einmal darüber sinniert, wie viele MDs ich nun in meine DG-Tasche packen würde, traf ich auch schon die ersten Recken mit dem gleichen Ziel: Die first Löningen Open. Die obligatorischen Huldigungen gelangweilt entgegen nehmend machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Spielfeld, also: das Volk hinter mir gehend, natürlich.

Richtig, was wir fanden war mehr Feld als Kurs, denn stellte man sich in die Mitte des ordentlich getrimmten Ackers konnte man nicht nur 11 der insgesamt 12 Bahnen überblicken, sondern auch alle Spieler – außer natürlich denjenigen, die gerade auf der einzigen Bahn spielten, die nicht einsehbar war. Logisch.

Wesentliche Teile des Kurses - die unheimlichen Kornkreise sind nur von oben sichtbar

Wesentliche Teile des Kurses – die unheimlichen Kornkreise sind nur von oben sichtbar

Klingt langweilig, war es aber ganz im Gegenteil überhaupt nicht, denn TD Wilfried F, der es zum ersten Mal machte, hatte mit Hilfe von Top-Junior Torben C zahlreiche Monster-Strohballen – oder wie auch immer man diese runden Dinger bezeichnet (dr.delay lebte schon immer in richtigen Großstädten; die Red.) – genauso hingestellt, dass ein abwechslungsreicher, schnuckeliger 12-Bahnen-Parcours entstanden war. Unter anderem zwei Inseln, einige Obs, ein reißendes, äh reizendes kleines Flüßchen, das nach dem Turnier um einige Innovas reicher war, und endemische Killer-Brennesseln. Dass reichte, um einen entspannten Turniertag zu erleben.

Nachdem der vor 10 a.m. sowieso nur nörgelnde Verfasser dieser Zeilen beim Warmwerfen erwartungsgemäß dauer-nörgelte, zeigte bereits die erste Runde, was sich hier für ein putziger kleiner Kurs entfaltete. Eine der beiden Inseln war als schräge Doppel-Insel ausgelegt und schon rockte es im Gehäuse, was bremerisch-kanadische Urgestein Dave L auch am Ende des Tages zu einer überzeugenden kurzen Dankesrede veranlassen würde, in der mehr als 12 Mal das Wort geil vorkam, was im kanadischen jedoch ganz einfach „super“ bedeutet.

Die äußeren Bedingen waren mit 9 zu beschreiben, denn während der ersten beiden Runden kam es manchmal zu wechselnden Winden, dafür war das Mittagessen dann eine 10. Die möglicherweise leckeren Würstchen (dr.delay lehnt es seit seinem 12ten Lebensjahr aus sozial-ethischen Gründen ab, genetisch gleichberechtigte Säugetiere zu verspeisen) wurden dabei von dem zurzeit wegen Verstopfungen (oder so) nicht spielfähigen Werner S liebevoll durchgegrillt und von einer  bombastischen Salat-Abteilung flankiert, die von einheimischen Catering-Ladys zur Verfügung gestellt wurden. Wer so kocht, will von dr.delay geheiratet werden, aber die drei Damen lehnten den mormonischen Ehevorschlag des Verfassers dieser Zeilen glattweg ab. Frechheit!

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Hartl-Foto (Wurf-Aktion nachgestellt)

Das vorerwähnte lukullische Angebot sorgte dann nicht nur für eine schnelle Abfüllung der – leider nur – rund 25 Protagonisten, es sorgte auch dafür, dass uns Hartl gut gelaunt beim Lunch verbal mal so richtig loslegte und ungefähr über zwei, der zweihundert Frauengeschichten seiner aktiven 80 Jahren detailliert berichtete. Hinterher wusste der eine oder andere beisitzende Jüngling nun, warum das „e“ zwischen dem „t“ und dem „l“ fehlt. Die Jugend konnte hier ganz klar noch ´was lernen, gleichwohl die Vorstellung, dass es ein Leben außerhalb DiscGolf gibt, bei dem einen oder anderen für einen plötzlichen Herpes-Ausbruch sorgte.

Zurück zum Spiel: Nachdem in den ersten beiden Runden sozusagen das Stroh vom Ballen getrennt worden war, ging es spannend auf eine dritte und letzte 12er Runde und führte letztlich zu einem spannenden drei-Bahnen-Stechen zwischen Dave L und Torben C, das Zweitgenannter gleich an der ersten Bahn vorentscheiden konnte. Manche vermuteten, dass der Senior nachgab, um Tränen beim Nachwuchs zu vermeiden. Weisheit vor Jugend, so to say.

Junior Torben gewann somit auch die Gesamtwertung vor Dave, der wiederum die Open gewann und seinen zweittalentierten Sohn Junior Jason bescheidene 6 Würfe abnahm. Zweitbester Open-Spieler wurde Manuel B, vor dem drittplatzierten Alexander G, der wiederum – man glaubt es kaum – wurfgleich mit einem gleichermaßen für sein Alter gut aussehenden Fanzine-Schreiber namens John W. (Achtung, Name geändert; die Red.) abschloss.

Die Grandmasters-Wertung schließlich gewann Dirk P und die Masters-Wertung der vorerwähnte Oberbayer.

Was bleibt sind die Damen? Und genau diese Frage könnte als Festsstellung auch die Antwort auf einen Atomkrieg sein, denn das schwache Geschlecht sind doch wir – jetzt mal ehrlich gesagt! Daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn wir im Muscle-Shirt vielleicht noch ein wenig besser ´rüberkommen – manche jedenfalls. Neben Kakerlaken werden eines fernen Tages eben nur die Frauen überleben. Den männlichen Rest wird es elendig dahin raffen, da bin ich ganz sicher.

Gruppen-Foto (zweite von rechts: Dana Jung -die anderen sind mir egal)

Gruppen-Foto (zweite von rechts: Dana Jung -die anderen sind mir egal)

Und Stärkste unter den Starken war wieder einmal die bezaubernde Dana J, die endlich zugeben sollte, dass sie die zahlreichen Liebesbriefe von dr.delay eben doch nicht unberührt zurück gelassen haben. Vielmehr bewahrt sie die in ihrem rosa Zimmer unter ihrem Bett auf. Auch da bin ich ganz sicher.

Am Ende dieses herrlichen Frühsommertages, fern vom Großstadtterror und Kleinstadtfrust, fand dann ein kleines, aber feines Turnier seinen Abschluss und am Ende tat der leichte Sonnenbrand im Nackenbereich auch ein klein wenig weh. Aber in Gedanken ließ sich der Unterzeichner 200 km lang, auf dem langen, weiten Weg zurück in die Basis, von Dana eincremen – und alles wurde gut …

dr.delay im Juni 2013


 

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